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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher502 nach herausgebracht, daß ihr ganzer geist darin besteht, über das, was man ihr sagt, zu lachen. ihre Position in der hiesigen Welt ist keine der brillantesten. eine alte gute Bekannte, hortense milanes aus Prag habe ich hier ge- funden, sie ist an einen steinreichen capitalisten galvani verheirathet und lebt hier sehr angenehm. versteht ihre stellung sehr gut und ist überhaupt eine charmante liebenswürdige frau. eine andere recht angenehme frau, deren Bekanntschaft ich vor kur- zem gemacht habe, ist die sonst berühmte frau v. ritter, gewesene Baro- nin münch. überhaupt läßt es sich für Jemanden, der keine übertriebenen Ansprüche macht und auf geistigen genuß verzichtet, in Wien recht ange- nehm leben. leider aber gehöre ich nicht zu diesen. Was mich hier immer vor Allem Andern ennuyirt, das ist die entsetzliche monotonie des hiesigen lebens, immer die nämlichen menschen, und was für menschen, die Alle zu einer und derselben classe gehören, folglich weiß man schon, was sie sagen wollen, ehe sie noch den mund aufgethan, und was oft sehr spaßhaft ist, ist die morgue, die exclusivitaet dieser leute, welche gar nicht ahnen, wie kleinstädtisch ihr ganzes thun und treiben ist, und von der eigentlich großen und großartigen Welt gar keinen Begriff haben. ich sehe aus Allem, daß ich es nicht lange in Wien aushalten würde, wenn mich nicht das interesse festhielte, am centrum unserer großen ma- schine zu stehen und alle die großen dummheiten, die dann die Welt ver- blüffen, an ihrer Wiege zu belauschen. übrigens gehe ich mit einer idee um, welche nicht so übel wäre, es wäre nämlich, eine politische Zeitung zu gründen in der Art des Journal des dé- bats, nicht officiell, auch nicht ministeriell, sondern im gemäßigt liberal conservativen geiste, en attendant mieux. der moment wäre glaube ich günstig, die regierung sieht den nutzen der Publicität ein, daher häufen sich die offiziellen Correspondenzartikel in der Allgemeinen und in andern Zeitungen, und die hauptsache wäre, die tendenz des neuen Journals An- fangs recht plausibel darzustellen, ist die concession einmahl ertheilt, so läßt sich petit à petit terrain gewinnen. Jedoch kann ich mit einem solchen Anliegen nicht hervortreten, erstlich weil ich in diensten stehe, und dann weil ich der regierung keine garantien für Werth und richtung der Zei- tung zu biethen vermag, da sie mich von dieser seite nicht kennt, endlich und vornehmlich, weil ich keine grauen haare habe, und ohne diese kein heil in oesterreich. ich habe daher daran gedacht, Zedlitz voranzustellen, der Alles in sich vereinigt, und muß nun sehen, wie ich es anfange. ein nahme wie der seinige könnte allein das gelingen sichern.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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