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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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5058. März 1845 gesagt worden war, es würden durch diese jährlichen Adressedébatten die constitutionelle stellung der drey gewalten im staate gegeneinander ver- rückt, denn durch diese alljährlich wiederkehrende untersuchung und Ab- urtheilung über jede einzelne handlung der regierung (wodurch also die Zustimmung der kammern für jede einzelne nothwendig werde) sey die executive gewalt de facto der regierung genommen. ich habe neulich wieder ein paar curialien machen müssen, bey der kai- serinn mutter1 und erzherzogin sophie, man wird damit hier nie fertig, üb- rigens sind diese beyden damen so liebenswürdig, daß man solche visiten gerne öfters abstatten würde, wenn nicht so viele förmlichkeiten etc. damit verbunden wären. resi Pallavicini ist vor ein paar tagen fort und jetzt unterwegs, es that mir ordentlich leid sie abreisen zu sehen, denn Beyde, er wie sie, gehören zu den wenigen menschen, an welchen mir wirklich etwas gelegen ist. neulich war großer rout bey fürstinn louise schönburg, und ich sah sie da seit 11 Jahren zum erstenmahle wieder. heute Abend aber war ich im kärnthnerthortheater, wo man mein geliebtes Ballett: giselle gab, es erin- nert mich an den verflossenen Winter und meine kleine Lucile Grahn, die mir noch manchmal schreibt. in mailand, als fanny elssler darin tanzte, durfte ich es nicht ansehen, und nun lasse ich keine vorstellung davon aus, wie sich das fügt. [Wien] 8. märz es schneyt nun schon seit einem monathe fast unaufhörlich, dabey ist es grimmig kalt und die donau fest zugefroren. der eisstoß ging schon vor 8 tagen, doch hat es sich wieder gestellt, und man fürchtet sehr für den nächsten. kanonen, schildwachen, nothsignale, Alles ist in Bereitschaft, und sämmtliche stallungen in der leopoldstadt sind schon leer. neulich war ich bey Zedlitz und sprach mit ihm, natürlich ohne mich zu nennen, über das Projekt, eine neue politische Zeitung zu gründen, er aber meinte, die sache hätte durchaus keine chance, selbst wenn die regierung die Concession ertheilen würde, woran er zweifle, so würde die Unterneh- mung gar keinen Anklang im Publico finden, welches mit ausländischen Blättern hinreichend versorgt sey, ein Beweis sey der „Adler“ von groß- hoffinger, der aus Mangel an Abonnenten eingehe.2 Zedlitz ist nun freylich 1 karoline Auguste, als vierte gattin und Witwe von kaiser franz i. „kaiserin-mutter“, tat- sächlich nur ein Jahr älter als ihr „stiefsohn“ kaiser ferdinand. 2 Das von Anton Johann Gross-Hoffinger seit 1838 herausgegebene Blatt „Der Adler. Welt- und nationalchronik, unterhaltungsblatt, literatur-und kunstzeitung für die österrei- chischen staaten“ war bereits ende 1843 eingestellt worden, als nachfolger erschien bis 31.5.1844 das Lokalblatt „Vindobona“. Die Versuche, das Blatt wieder aufleben zu lassen,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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