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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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5118. April 1845 louis forgács reist dieser tage ab, um eine längere reise nach nord-, mittel- und südamerika zu unternehmen! glücklicher mensch! hoc erat in votis, sed non in fatis. man hört nur von überschwemmungen und Wasserschäden sprechen. Prag war mehrere tage überschwemmt, und der Adel hat sich dabey ganz ausgezeichnet benommen, seine häuser sind voll von obdachlosen. eduard clam, fritz taxis und Andere fuhren den ganzen tag mit lebensmitteln, Wäsche etc. in Booten herum. Adolph schwarzenberg steht an der spitze des unterstützungscomités. das ist recht so. Auch die Bürger wetteifern in Wohlthätigkeit. Auch linz war unter Wasser und hier ein theil des Praters, 3 Joche der Brücke am tabor hängen in stricken, in dresden ist ein Pfeiler der großen Brücke eingestürzt, etc. dieser tage sah ich die hildprandts auf ihrer durchreise nach Böhmen, Fridérique gefiel mir durch ihre tiefe unverstellte Trauer.1 Auch fritz lich- tenstein ist hier, und ich erwarte in kurzem Wallmoden und gustav neip- perg. dieser geht zur hochzeit nach leutomischel,2 und es wäre möglich, wiewohl nicht wahrscheinlich, daß ich mit ihm ginge. die italienische oper hat begonnen, und da ich einen sperrsitz habe, so gehe ich fast täglich hinein, sie ist ganz passabel, und die musik von ernani ist so schön, daß man sich daran nicht satt hören kann. ich lese jetzt die bis nun erschienenen 3 Bände von thiers’ geschichte des consulates und kaiserreiches, eine echte französische Prahlhanserey, ohne portée und nur in hinsicht auf gewisse administrative details, sonst aber tief unter seiner geschichte der revolution, welche übrigens auch lange kein meisterwerk ist.3 Trotz dem bin ich nicht so empfindlich wie mein Freund graffen, der hamburgische resident, der mir neulich sagte, er wolle das Buch nicht lesen, weil er erwarte, darin die ereignisse besonders mit rücksicht auf Deutschland entstellt zu finden, und er befürchte davon eine nachtheilige rückwirkung auf seine nerven und daher auf seine gesundheit. als Bundesstaat in die usA aufgenommen. mexiko brach darauf die Beziehungen zu den usA ab, der folgende krieg endete mit der niederlage mexikos und der Abtretung des heu- tigen südwestens der usA und kaliforniens. seit 1844 betrieb der deutsche Adelsverein in mainz eine kolonisierungskampagne, die zur gründung von zwei ortschaften in texas führte, jedoch 1847 aus mangel an mitteln eingestellt wurde. 1 der am 6.3.1845 in venedig gestorbene freiherr ferdinand hildprandt war der vater von freiin friederike hildprandt. 2 Graf Gustav Neippergs Bruder Erwin heiratete Andrians Cousine Gräfin Henriette Wald- stein-Wartenberg. 3 Adolphe Thiers, Histoire de la Révolution française. 10 Bde. (Paris 1823–1827); ders., His- toire du consulat et de l’empire. 20 Bde. (Paris 1845–1862).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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