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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 516 -
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Tagebücher516 laffen macht) zu ehren bey tettenborn eine soirée, wo ich der liebenswür- digen louise neumann die cour machte, ohne ihr jedoch von meinem mir noch immer unerklärlichen faschingsromane zu sprechen. Auch ihre mut- ter mad. haitzinger war da, eine sehr geistreiche und interessante frau. vergangenen montag gab man im schönbrunner theater eine franzö- sische vorstellung zum Besten der überschwemmten in Böhmen und gallizien. man gab la barbe bleue und la peau du lion, fürstin clary war magnifique, OSullivan und Alexander Czartoryski spielten wie vollendete künstler, desto ungeschickter war edmund clary, und nie habe ich etwas so indecentes gesehen als edmund Zichy’s erscheinung, im ganzen war der spaß theuer und langweilig. es ist jetzt eine deputation der böhmischen stände hier (Adolph und fritz schwarzenberg, hugo salm, carlos Auersperg, Albert nostitz, rudolf morzin, fritz deym, Joseph thun, leopold thun, christl Waldstein, Bo- husch, Prälat der kreuzherrn,1 vicebürgermeister von Prag), um einige Be- schwerden und Bitten vorzutragen, es ist ihr altes recht, jährlich einmahl eine deputation an den thron zu schicken, welches sie heuer zum ersten mahle wieder ausüben, nachdem man es ihnen lange verwehren wollte. sie fuhren neulich feyerlich bey hofe auf. die kunstausstellung ist seit 5. eröffnet und unter aller kritik,2 ein paar landschaften von gauermann, steinfeld und tremmel ausgenommen nichts als mist. [Wien] 22. mai die feyerliche Prozession, welche heute als am frohnleichnamstage hätte Statt finden sollen, ist diesen Morgen des Regens halber abgesagt worden und ward in den gängen der Burg gehalten. überhaupt ist das ein schandhafter may, fast alle tage regnet es und ist dabey so kalt, daß man nur im überrock ausgehen kann. fourier’s dégrada- tion des climatures geht wirklich in erfüllung. es hat diesen monath einen einzigen schönen warmen tag gegeben, und das war der 2. unter diesen umständen ist auch der Prater sehr leer, die vegetation sehr zurück, und ich konnte noch nicht draußen frühstücken, was seit jeher mein summum bonum in Wien war. vorige Woche sind neippergs und caroline W[aldstein] fort, es waren eine unzahl leute auf der eisenbahn, um ihnen Adieu zu sagen, darunter 1 gemeint sind der gutsbesitzer Wenzel Bohusch ritter v. ottoschütz, mitglied des perma- nenten ständischen landesausschusses, und Jakob Beer, großmeister, nicht Prälat, des ordens der kreuzherren vom roten stern in Prag. 2 die Jahresausstellung der Akademie der bildenden künste.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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