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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 518 -
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Tagebücher518 che eigentliche erziehung in der hand Bombelles eine wünschenswerthe war, ist eine andere frage. denn mir sind noch wenige so absolut retro- grade Jesuitenfreunde vorgekommen wie dieser. Welche Aussicht in unsere Zukunft!! – – – Am nämlichen tage wurde die große gewerbsausstellung eröffnet. diese hat nach dem einstimmigen urtheile von in- und Ausländern alle erwar- tungen auf das glänzendste übertroffen, und leute, die im vorigen Jahre in Berlin waren, sagen mir, daß die unserige die des Zollvereins weit über- flügle. Es ist ein großartiger Anblick, diese ungeheuren Räume zu sehen, in denen man 2 bis 3mal gewesen seyn muß, um sich nur einigermaßen zu orientiren. Auch ist nur eine stimme des lobes für den schöpfer, Baron kübeck, und die säle sind von früh bis Abend von menschen aus allen stän- den angefüllt. Bis nun sind gegen 2000 Ausstellungsnummern, doch langen noch täglich neue [ein], so daß erst gegen 1700 aufgestellt und classificirt sind. die meisten langten erst sehr spät ein, es ist das erste unternehmen in solcher Allgemeinheit, daher hatte es mit vielen vorurtheilen und nebst- dem noch mit den überschwemmungen und unfällen dieses frühjahrs zu kämpfen. der gewerbverein hat ein comité ernannt, um auf die dauer der Ausstellung (2 Monathe) den Fremden behülflich zu seyn, es erscheint ein eigenes Blatt über diese gegenstände, kurz dem götzen des Jahrhundertes wird hier wie anderswo geopfert. Am 15. Abends gab der gewerbsverein im redoutensaale ein großes diner der industriellen von mehr als 500 ge- decken. darunter viele unserer Aristokraten: Adolf schwarzenberg, franz harrach, ferdinand colloredo, fritz deym etc. reden, toasts etc. gab es dabey in menge. das kömmt auch bey uns in schwung. mit fritz fünfkirchen, der auf 14 tage hier war, besuchte ich neulich seinen gewesenen hofmeister, den kaiserlichen Privatbibliothekar kloiber, den ich seit 20–25 Jahren nicht gesehen hatte, und mich also gar nicht mehr an ihn erinnerte. er aber hatte mich im gedächtnisse behalten. stadtneuigkeiten gibt es wenig, außer ein Paar heirathen: resi stadion mit Zdenko sternberg, etc., der tod Amadé’s des hofmusikgrafen, etc. [Wien] 26. mai Rudolph Stadion ist Gouverneur in Mähren geworden, eine magnifique Car- rière nach büreaukratischen Begriffen, die ich aber nicht theile. ich selbst hatte gestern eine unterredung mit regierungsrath Böhm, dem chef der Präsidialkanzley inzaghy’s, welcher mir anboth, als unbesoldeter gubernial- rath nach Dalmatien zu gehen, wofür ich mich aber höflichst bedankte. Ich will jetzt wenigstens durch ein Paar Jahre hier bleiben, denn nur hier kann ich meine Zukunft, so wie ich sie wünsche oder sie mir doch wenigstens als erträglich vorstelle, gründen. in der gewöhnlichen Beamtencarrière, sey sie
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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