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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 522 -
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Tagebücher522 wohl das Bein der fanny elssler, sagte er ganz galant: non madame c’est la vôtre. ich habe mich seit kurzem in dem hiesigen sogenannten juridischpoli- tischen leseverein abonnirt, der wirklich so vollständig ist, als ich es hier nicht für möglich gehalten hätte. [Wien] 29. Juni ich fürchte sehr, daß der heurige sommer ebenso ungünstig ausfallen werde wie der vorjährige, bis vor einer Woche hatten wir zwar das schönste Wet- ter und eine entsetzliche hitze, seither aber regnet es beynahe jeden tag ein wenig. neulich fuhr ich in einem wahren orkan, obwohl ohne regen, von schönbrunn, wo ich bey Bombelles und früher in grünberg bey graf kolowrat gewesen war, nach hause, in einer beständigen staubwolke, nur von dem beständigen herrlichsten Wetterleuchten erhellt und daher unter einer beyspiellosen confusion von Wägen und reitern. daß in solchen Au- genblicken nicht zahllose unfälle vorfallen, ist nur durch die unendliche geschicklichkeit der hiesigen kutscher zu erklären. Wien ist beynahe leer. Alles hat sich in die umgebungen gezogen, führt aber da sein stadtleben fort und empfängt an gewissen tagen, was ich aber meist bleiben lasse, denn nichts ist langweiliger als ein salon zu dieser Jahreszeit. ich werde übrigens wahrscheinlich nach Baden ziehen müssen, um dort die Bäder zu gebrauchen, da ich seit einiger Zeit gichtschmerzen zu verspüren anfange. ich war gestern draußen, um eine Wohnung zu su- chen, und aß da bey hortense galvani, welche dort ein charmantes kleines haus bewohnt, für mich aber fand ich nichts oder doch nur horrend theure Wohnungen. übrigens ist mir der ganze Badnerséjour sehr unangenehm aus mancherley ursachen, worunter eine, daß ein solcher landaufenthalt einem dann angenehm ist, wenn man einen guten stall hat, etwas ganz Anderes war es in der Brühl, wo ich überhaupt eine sehr angenehmen Zeit zubrachte. das hauptevenement dieser letzten tage ist ein verhältniß mit einer sehr hübschen Person, ladislaus reischachs mätresse, welches sich hier in meiner neuen Wohnung bey meiner freundin tatchitz, die sich in ih- ren alten tagen auf das kuppeln verlegt, ganz ohne mein Zuthun an- gesponnen hat. im grunde ist es unschön, einem seiner besten Bekann- ten gewisse dinge aufzusetzen, besonders ihm, der die sache mit solcher leidenschaft nimmt und der schönen leni [Wollner] sein vermögen und seine ganze existenz aufopfert, aber ein ägyptischer Joseph bin ich ein- mal nicht, und wenn man mir so entgegenkömmt, so finde ich, wäre ein scrupel lächerlich. ich habe die sache so bequem als möglich, indem sie fast alle morgen zu r. tatchitz kömmt, ich also nur in das nebenzimmer
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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