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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 529 -
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52920. August 1845 im übrigen lebe ich hier recht angenehm, die schönheit meines landauf- enthaltes und besonders die Abwechslung, welche dadurch in mein tägli- ches leben kömmt, da kaum ein tag dem andern gleich sieht bey den vielen Excursionen, Promenaden und besonders meinen sehr häufigen Besuchen der stadt, wo ich 2–3 mal die Woche und an den freytagen der sitzungen wegen immer hineinfahre. man sprach in diesen tagen viel von einer geschichte eines hiesigen Ju- den und reichgewordenen Börsenspekulanten Blühdorn, welcher die chur- fürstinn von Bayern, deren Pferde im vorfahren seinen Wagen gestreift ha- ben sollen, in schönbrunn beym Aussteigen förmlich insultirte, seine strafe war null, und das mißbillige ich. diese hundejuden werden mit jedem tage impertinenter und sind uns ohnehin schon beynahe über den kopf gewach- sen. es wird schamlos auf der Börse gespielt, und die verwaltung sieht da zu. überhaupt ist mein glaube an kübeck’s finanztalent sehr erschüttert worden. es ist nun bestimmt worden, daß bis 1850 keine neue eisenbahn concessionirt werden soll, und das ist nun wieder eine nahrung mehr für die spielwuth, da die Actien seitdem enorm steigen. An politischen ereignissen ist es jetzt ziemlich still, dagegen beschäftigt sich Alles mit den Festen, welche eben jetzt am Rheine stattfinden sollen. königin victoria sollte am 11. in cöln ankommen und 6 tage am rheine bleiben. Weniger froh aber sind die nachrichten aus croatien, wo die Parteywuth täglich steigt, bey der letzten restauration1 vor 14 tagen feuerte das mili- tair (ob gezwungen oder nicht? hat sich noch nicht herausgestellt), und es gab über 20 todte und 50 Blessirte. eine deputation ist hier, um satisfac- tion zu verlangen. haller begehrt schon seit monathen unaufhörlich seine entlassung. [unter sankt veit bei Wien] 20. August Alles ist jetzt in Prag, heute wird die eisenbahn von olmütz dahin eröffnet. erzherzog franz carl und der Palatinus, das ganze diplomatische corps etc. sind schon gestern nach olmütz, wo ein volksfest statthaben sollte. 2 tage werden in Prag unter feyerlichkeiten zugebracht, und dann die rück- fahrt angetreten. die schattenseite der sache aber ist, daß, wer keine ex- cellenz ist, keinen Bedienten mit sich nehmen darf. stefferl szechenyi ist, incredibile dictu noch vor wenig Jahren, geheim- rath geworden als statthaltereyrath und Präsident der section für stras- sen und Wege, cum qua clauditur adversis innoxia simia fatis. diese excel- lenzenschaft übt überhaupt eine magische Anziehung aus. georges karoly, 1 restauratio (tisztújítás), die (Wieder-)Wahl der komitatsfunktionäre.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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