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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 533 -
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53310. September 1845 gestern gab saphir eine vorlesung im schlosse gutenbrunn, wie ge- wöhnlich Witz und gemeinheit. nachmittags sah ich auf der hauswiese Alexandrine Amade, taaffe, schweiger, hohenlohe etc. kurz die gewöhnli- chen späße. hier haben wir jetzt ein lager ganz in der nähe zwischen Breitensee und ottakring. über die censurpetition1 soll dieser tage eine Allerhöchste resolution er- folgt seyn: es wird eine commission niedergesetzt, bestehend aus hofräthen, Professoren und literaten, welche in Berufungsfällen in 2. instanz über die urtheile der censurbehörde zu entscheiden hat. Wenn sich dieses bestätigt, so wäre das ein bedeutender fortschritt. [unter sankt veit bei Wien] 10. september ich hoffe, wir bekommen einen so schönen herbst als es der vorjährige war, bis jetzt hat es ganz den Anschein, nur war es in den ersten tagen dieses monathes empfindlich kalt. ich war seit meinem letzten wieder einmahl in Baden, ce tout mes jours de fête, am ersten tage aß ich bey hortense galvani, weil meine sonsti- gen tischgenossen alle bey der schönen frau v. Werthheimer, emerich B[ethlen]’s einstiger liebe, geladen waren, es war da eine sehr hübsche sän- gerinn aus Wien, dlle corridori, die die schönsten hände hat, welche ich je gesehen. Abgesehen von aller faticität scheint mir, daß hortense, deren Jugendflamme ich in Prag im Jahre 1832 (quis talia fando temperet a lacry- mis2) gewesen bin, noch immer eine ganz besondere dosis Zärtlichkeit für mich behalten hat, die sich besonders dann äußert, wenn ich eine andere frau hübsch finde. nach tische war wieder die gewöhnliche Badner tagesordnung: goûter im doppelhofe,3 theater, dann souper in einer scheußlichen kneipe. tags darauf der glanzmoment, nämlich das frühstück in der Allee vor der re- doute. dann besuchte ich die frau v. ritter, die von kissingen zurück ge- kehrt ist. dann war Park, diner bey der stadt Wien, dann scheiner’sches caffehhaus, doppelhof und endlich Palffy’sche musik im Park als letzte vorstellung derselben, wobey ich mit franzl Palffy und emerich [Bethlen] wie die heiligen 3 könige mitten in dem glänzenden kreise saßen. mit dem letzten train fuhr ich dann nach Wien. Die Prager Eisenbahn ist kaum eröffnet in einem Zustande von Auflö- sung, man fährt statt 15 stunden 30–38, wie neulich ritter, welcher 34 1 vgl. dazu einträge v. 25.3. und 30.4.1845. 2 vergil, Aenaeis 2.6. 3 wohl doblhoff.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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