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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 538 -
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Tagebücher538 neulich benützte ich einen der schönen tage, welche wir jetzt haben, um eine große fußpromenade zu machen, ich ging nämlich von hier nach lie- sing, fuhr von da per eisenbahn nach Brunn, wo ich im Bahnhofe aß, ging dann in die Brühl, besuchte kolowrats mätresse und fidel Palffy, ging von da nach mödling und kam per eisenbahn Abends nach hetzendorf, von wo mich flore mittelst eines hofwagens nach hause expedirte, da der einzige landkutscher im orte für die kurze fahrt 10 fl. cm begehrt hatte! sonntag den 5. heiratheten meine zwey hausnachbarinnen narischkin, die eine einen österreichischen marineoffizier Petz (!), die andere einen würtembergischen cavallerieoffizier v. valois, welcher mir sehr gut gefällt. nach der hochzeit (von welcher ich mich dispensirte) war thee und eine Art von confuser soirée bey friesenhof, wo ich auch erschien. nun sind sie Alle fort. Am selben morgen habe ich zum ersten mahle den kirchhof besucht, wo meine arme unvergeßliche Albertine liegt.1 ich halte nicht viel auf derglei- chen sentimentale demonstrationen, aber doch ergriff es mich tief, als ich das einfache monument erblickte, unter welchem die arme dulderinn ruht. diesen schmerzvollen tod in so blühender Jugend, bey so vielen Ansprüchen an das leben, kann ich nicht vergessen. übrigens fürchte ich, daß meine arme louise Praschma auf dem besten Wege ist ihr nachzufolgen, und daran trägt allein ihre stiefmutter schuld, welche sie mit unaufhörlichen nadelstichen peiniget, sie, die ohnehin so leicht aufzuregen ist.2 doch haben tettenborn und ich eine kabale montirt, um sie aus ihren klauen zu erretten. in rimini hat wieder ein verunglückter revolutionsversuch stattgefun- den.3 Auf der Börse hier fallen jetzt unsere stockjobbers wie die mücken, mein freund Arnstein soll ganz ruinirt seyn. die fonds sind allenthalben gefallen, man sagt, weil rothschild und konsorten in Paris jetzt zur übernahme der französischen eisenbahnen baares geld brauchen, und zugleich hat die hie- sige Bank auf höhern, und sehr weisen, Befehl erklärt, auf eisenbahn- und dgl. Papiere keine vorschüsse mehr zu machen. emerich Bethlen liegt seit 4 tagen an einer Augenentzündung im Bette, so oft ich in die stadt komme, besuche ich ihn. 1 Andrians schwester Albertine, die 1837 gestorben war. 2 der 1830 gestorbene graf ludwig Praschma, vater von marie louise, hatte 1827 in zwei- ter Ehe Gräfin Wilhelmine Wurmbrand-Stuppach geheiratet. Seine 1824 verstorbene erste Frau Gräfin Therese Fünfkirchen war eine Cousine von Andrians Mutter. 3 rimini war teil des kirchenstaats.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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