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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 539 -
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5391. November 1845 Wien am 1. november 1845 vorgestern Abend kam ich von einem 14tägigen Abstecher zurück, welchen ich nach Bayern zu eduard [Andrian] gemacht hatte. die letzten tage, die ich in s. veit zubrachte, waren schon so herbstlich und kalt, die Abende so lang, daß mich Alles dieses in meinem reisevorha- ben nur bestärkte. Zudem wollte ich meinem umzuge in die neue Wohnung ausweichen, welche, wie ich voraussah, vor ende october nicht fertig werden würde. ich fuhr also am 14. october früh mit dem dampfschiffe nach linz, eine ziemlich langweilige fahrt, wo ich niemand Bekannten noch interes- santen traf als ervin tarouca, der wohl zu jenen, aber durchaus nicht zu diesen gehört. Am 15. gegen 10 uhr morgens war ich in linz und fuhr um 2 mit dem courierwagen weiter, beym schönsten Wetter durch eine herrliche gegend über efferding etc. nach schärding. Als ich da ankam, war es 11 uhr nachts, und ich hielt es für zu spät, um zu eduard hinüber zu gehen, sondern ließ ihm einen Zettel zurück (welchen er aber erst am dritten tage erhielt) und fuhr weiter nach Passau, wo ich übernachtete. tags darauf war- tete ich dann wie natürlich umsonst bis nach 12 auf ihn und wollte dann nach neuhaus fahren, begegnete ihn aber auf halbem Wege mit lenchen und ferdinand, welchen letztern sie gerade nach Passau zu einem geist- lichen brachten, bey dem er wohnen und studiren soll. ich fuhr daher mit ihnen zurück, blieb noch diesen und den folgenden tag mit ihnen in Passau, und am 17. nach tische fuhren wir, d.h. eduard, seine frau und ich, nach neuhaus. die wahre herzliche freude, mit der sie mich empfingen, überraschte mich nicht, wohl aber lernte ich sie Beyde bey diesem meinem abermaligen Aufenthalte in ihrer mitte noch mehr schätzen und lieben. in neuhaus machte ich bloß toilette und fuhr dann gleich mit eduard nach s. martin zu Arco, wo wir denselben Abend ankamen und außer der zahlreichen familie (carl graf Arco und frau, louis Arco vater, la Perouse, hennin) nur vennningen und ein original, den Pfleger von mattighofen fan- den, welcher uns beym souper durch seine geschichten und besonders durch seine Art sie zu erzählen amusirte. tags darauf regnete es, und so mußte die Jagd abgesagt werden, wir blie- ben daher den ganzen tag zu hause mit Ausnahme einer halben stunde nach tische, wo max Arco uns auf offener reitschule seinen stall producirte. übrigens verging mir die Zeit doch ziemlich schnell, da die damen meistens sehr liebenswürdige frauen sind, vor Allem die schöne frau vom hause, welche eine der distinguirtesten frauen ist, die ich kenne. eduard ist da wie zu hause, und besonders sie schien ihre freundschaft für ihn auch auf mich ausdehnen zu wollen. Abends wurde musik gemacht etc. tags darauf, sonn- tag, war großes Bestschießen, wo wir den ganzen vormittag bis nach 4 uhr
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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