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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 542 -
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Tagebücher542 überhaupt, les dieux s’en vont, das ist eine alte geschichte, eben auch die déesses, und niemand, weder mann noch Weib, bleibt consequent bis an sein ende. vor einem monathe ungefähr schrieb mir Auguste [horrocks], sie werde wahrscheinlich heirathen d.h. wenn ihr cousin und Bräutigam eine Anstel- lung gefunden haben werde. Je ne lui en veux pas du tout, und ihr Andenken bleibt mir ebenso wach, nachdem es mir die einzige Poësie meines herzens zurückruft (sowie clotilde lottum eine Poësie des kopfes war), es ist mehr die Begebenheit als die Person, welcher meine Anhänglichkeit gewidmet war und ist, aber ich constatire nur das faktum, daß auch sie, die doch der Besten eine war, nicht ausgehalten hat bis ans ende, ebensowenig als Julie samoyloff. fritz chorinsky hat eine Augenkrankheit und dürfte wohl eines oder beyde Augen verlieren, ganz in derselben lage ist Adolph schwarzenberg, welcher sich deßwegen sammt familie in dresden befindet. der Winter ver- spricht grundlangweilig zu werden. unser club ist in den neuen magnifi- quen Appartements unter meiner Wohnung installirt, und nächstens soll auch unser brillanter restaurant mr. Prévost loslegen.1 mein manuscript gelangt erst in diesen tagen zur hiesigen censur, indem das Abschreiben sich verzögert hat. einstweilen ist der 5. Band von thiers erschienen, vielleicht schreibe ich über ihn einen nachträglichen Artikel in die Allgemeine Zeitung. ervin neipperg ist hier und geht mit franz colloredo nach Aegypten, er wohnt bey seinem stiefbruder montenovo und ist noch ganz niedergebeugt, ich war neulich den Abend bey ihm, und er erzählte mir die leidensge- schichte der armen guten Jetty mit allen détails.2 der kaiser von rußland soll mitte kommenden monats hier durch kom- men auf seiner rückreise von Palermo, gegenwärtig ist die großfürstinn hé- lène hier. neulich war die verlobung von mademoiselle mit dem Prinzen von lucca,3 schade um sie. [Wien] 14. november nach und nach habe ich mich nun in meiner neuen Wohnung so ziemlich eingerichtet und fange an, mich darin recht wohl zu befinden. Jedoch lebe 1 das Adelscasino befand sich seit herbst 1845 im ehemaligen Palais liechtenstein in der herrengasse, im selben gebäude hatte auch Andrian seine neue Wohnung. der name des Betreibers des restaurants lautet im folgenden jeweils Prevôt. 2 Graf Erwin Neippergs Gattin, Andrians Cousine Gräfin Henriette Waldstein-Wartenberg, war am 8.7.1845 nach nicht einmal dreimonatiger ehe gestorben. 3 gemeint ist Prinzessin louise de Berry, die am 10.11.1845 carlo, sohn von herzog carlo v. lucca, heiratete. sein vater verzichtete 1847 auf das herzogtum lucca, übernahm dafür nach dem tod von erzherzogin marie louise 1848 das herzogtum Parma. im märz 1849 verzichtete er zugunsten seines sohnes auf den thron.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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