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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 544 -
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Tagebücher544 [Wien] 28. november mein manuscript hat mirabile dictu ohne die mindesten censurstriche das „imprimatur für das Ausland“ erhalten und befindet sich nun auf dem Wege nach leipzig, wo es bey volkmar gedruckt werden soll.1 ende kom- menden monats wird es schon im Buchhandel seyn, und gleichzeitig wird kolb, wie ich hoffe, davon Auszüge in der Allgemeinen Zeitung geben, wie- wohl er mir auf meinen Brief aus neuhaus noch immer nicht geantwortet hat. ich gehe jetzt mit großen Projekten schwanger: vor Allem will ich über den vor kurzem erschienenen 5. Band der thiers’schen geschichte aber- mals einen, jedoch weit kürzeren, Artikel für die Beylage der Allgemeinen Zeitung schreiben und so Band für Band, wie sie erscheinen werden, be- sprechen. gleichzeitig aber habe ich die Absicht, an die Beurtheilung inter- essanterer, besonders historischer und politischer Werke der jüngsten Zeit eine reihe von Artikeln zu knüpfen, welche, wie ich denke, von lebendigem politischen interesse für oesterreich seyn werden. diese Artikel werde ich wo möglich in dem hiesigen neuen Blatte: die gegenwart, erscheinen las- sen, welches eine lobenswerthe fortschreitende ernstere richtung einschla- gen zu wollen scheint. endlich werde ich vielleicht fouriers theorie du libre arbitre übersetzen, um die Aufmerksamkeit auf diese große erscheinung zu lenken. mit meiner Wohnung bin ich nun endlich ganz in ordnung gekommen. das herrliche Wetter, welches wir nun schon den ganzen monath hatten, be- günstigte die Arbeiten, es ist immer warm und meistens schön wie im may, ein glück für die armen, in diesem Jahre ohnehin schwer heimgesuchten classen. heute machte ich dem erzherzog stephan, welcher eben hier ist, meine Aufwartung, vergangene Woche hatte ich dienst bey hofe, ein ent- setzlich langweiliges geschäft, doch hatte ich dießmahl ein revenant bon davon: nämlich ein hofconcert bey der regierenden kaiserinn zu ehren des jungen Brautpaares von lucca, wo thalberg und mad. eichthal spielten etc. vergangenen sonntag den 23. war großer empfang bey metternich, da des fürsten namenstag war, von da ging ich auf die sogenannte katherinen- redoute, die mir wieder und dießmal ganz ohne mein Zuthun, ja selbst wi- der meinen Willen, Briefchen und visiten die menge zuwege brachte. übri- gens bestand die interessanteste meiner Aventuren darin, daß ich von einer maske 1/2 stunde lange festgehalten wurde, ich möchte ihr von erzherzog ludwig eine Pension von 200 fl. verschaffen!! 1 Andrians anonyme Broschüre herr m. A. thiers und seine geschichte des consulats und kaiserreichs (vgl. eintrag v. 10.10.1845) erschien zu Beginn 1846 im leipziger verlag von friedrich volckmar (nicht volkmar).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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