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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 552 -
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Tagebücher552 denn sie galt mir bisher als ein meisterstück der staatskunst und als das vorbild unserer Bestrebungen. heute habe ich bey Bombelles den gewesenen Antistes, jetzt hofrath und historiographen hurter kennen gelernt, ein echter schweizer, mir gefiel seine lebhaftigkeit und naivetät. Alexander tettenborn habe ich neulich gesehen, seine mutter verläßt uns dieser tage, und somit ist das haus tettenborn aufgelöst. schade darum, ich habe darin manche angenehme stunde verlebt. natalie Palffy ist gestern früh ganz unvermuthet gestorben, ein glück für sie, daß sie einem langen, schmerzlichen und doch unheilbaren leiden so schnell entgangen ist. das Buch von dumenil scheint, nach dem was ich bisher gelesen, eine ganz stupide diatribe eines sittenstrengen republikaners und katholiken zu seyn, welcher überall gottes finger sieht, und vor dem niemand gnade fin- det als robespierre und s. Just, weil sie persönlich unbescholten waren. da wird sich kaum stoff zu einem Artikel finden. der Aufsatz über das recht der Arbeit ist fertig und wird eben copirt. flore ist endlich, wiewohl langsam, auf dem Wege der Besserung. gabri- elle wird, glaube ich, sehr bald ankommen, indem es scheint, als ob sie statt louisen [Praschma] zur kaiserinn mutter zur Aushülfe kommen solle. ich habe ihr einstweilen eine monathwohnung auf dem mehlmarkte genommen. die Weihnachtsfeyertage waren dießmal so bewegt (d.h. auf den straßen) wie gewöhnlich, die goldene Zeit der boutiquen, dazu ein herrliches Wetter. ich gehe bis nun sehr wenig in die sogenannte Welt, weniger noch als vo- riges Jahr, à quoi bon? manchmal zu reviczky, zuweilen zu ritter, mitunter ins theater, meistens aber in den avant-soirées zu hause und dann im club bey einer tasse thee, so bringe ich meistens meine Abende zu. nur selten gehe ich in eigentliche salons, z.B. metternich, clary, Bombelles, ficquel- mont etc., doch war ich schon in jedem derselben ein- bis zweymahl, pour faire acte de présence. hans kolowrat, der jetzt hier ist, hat mich in diesen tagen als mein al- ter amicus mit teufels gewalt und aus eigenem Antriebe poussiren wollen, sprach dem minister unaufhörlich von mir, wollte, ich solle hingehen etc. Aber ich machte ihm begreiflich, daß ich jetzt gerade um nichts zu bitten habe, denn das einzige, meine ernennung zum hofsecretär, liegt noch im- mer, seit februar, bey dem alten schafskopf inzaghy. ich muß übrigens ge- stehen, daß diese gar alle schranken überschreitende verzögerung, obwohl sie mir eigentlich bey meinem einrücken in einen gehalt (wenn bis dahin keine veränderungen in meiner carrière eintreten) von keinem nachtheile seyn wird, dennoch und zwar aus dem grunde sehr empfindlich ist, weil ich darin eine rücksichtslosigkeit gegen mich erblicke, die meine verwundbar-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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