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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 553 -
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5532. Jänner 1846 ste seite, meinen stolz verletzt, ich habe sicher mehrere mahle ernstlich daran gedacht, den dienst ganz zu verlassen, da gibt es aber eine menge Aber. übrigens wären die Aussichten für Jemand, der lust und liebe zu diesem dienste hat, sehr brillant, allem Anscheine nach könnte es mir nicht fehlen, im laufe des kommenden Jahres 1846 als delegat oder gubernial- rath mit Besoldung nach italien zu kommen. Aber das lockt mich nun ein- mahl nicht. die bayerischen kammern sind seit ein paar Wochen beysammen und entwickeln einen unerwarteten sinn für selbstständigkeit, namentlich soll eine Art von impeachment gegen den minister Abel, aus mehr als 80 Punk- ten bestehend, vorbereitet werden, wobey besonders fürst Wrede thätig ist, eine morgenröthe für das deutsche Böotien. [Wien] 2. Jänner 1846 Am 29. mittags 1 uhr kam der kaiser von rußland in Bruck an, wo medem ihn schon seit 3 tagen erwartete. da blieb er bis den tag darauf 1 uhr, sage 24 stunden, war es, um zu arbeiten, oder eines unwohlseyns halber? gewiß ist, daß 6 kabinetskouriere auf ihn warteten, und am tage seiner Ankunft hier war kurz zuvor ein staatsrath mit sehr wichtigen depêchen angekom- men. Jedenfalls war es nicht sehr rücksichtsvoll von ihm, unsern hof durch fast 36 stunden in einer fortwährenden ungewißheit und émoi zu lassen. kaiser und erzherzoge erwarteten ihn vom 29. mittags jeden Augenblick. carl lichtenstein und rudi Wrbna erwarteten ihn en pleine parade auf dem Bahnhofe durch 2 tage und eine nacht, endlich am 30. kam er Abends 8 uhr hier an und stieg bey medem ab. Auch da war er schon volle 3 stunden frü- her hier signalisirt worden, daher eine compagnie grenadiere vor dem ge- sandtschaftshôtel aufgezogen und sämmtliche erzherzoge in uniform beym kaiser versammelt waren, eine menge menschen wie natürlich vor dem hause, auch ich einen Augenblick mit moritz nassau und emerich Bethlen, doch wurde es uns bald zu lang, und wir gingen unserer Wege. der kaiser musterte, kaum angekommen, die compagnie, entließ sie und zog sich dann zurück ohne nach hof zu fahren, da er nicht wohl sey. tags darauf um 8 uhr besuchte er unsern kaiser, dann die kaiserinnen1 etc. um 11 uhr war bey dem herrlichsten wärmsten Wetter von der Welt Pa- rade der garnison auf der glacis, ich sah von der Bastey zu. kaiser nicolaus in husarenuniform führte sein regiment dem kaiser vor, dann besuchte er die fürstinn metternich und gräfinn ficquelmont. um 1/2 4 war großes mi- litärdiner bey hofe, ich stellte mich so, daß ich ihn ganz in der nähe sehen 1 maria Anna, gattin von kaiser ferdinand i., und karoline Auguste, Witwe nach kaiser franz i.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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