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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 556 -
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Tagebücher556 gen Besuch, er übernahm es, den Aufsatz durch die censur zu bringen, über deren langsamkeit und chicane er bitter klagte, bath nur um Abänderung des Wortes revolution in Bewegung oder umgestaltung, und bath mich, sei- nem Blatte fernerhin beyzustehen. er scheint gar niemand zu haben, der ihm politische Aufsätze liefert. er scheint mir ein gutmüthiger mensch voll furcht und Zagen. heute steht in der Beylage der Allgemeinen Zeitung ein Artikel über thiers’ geschichte ungefähr in dem nämlichen sinne wie der meinige, nur mehr auf die deutschen Angelegenheiten beschränkt, allgemeiner gehalten, und hauptsächlich die schlauheit und Perfidie herrn thiers hervorhebend, als wäre sein Werk ein manifest des Bonapartismus, während ich derber zu Werke gehe und thiers geradezu für einen lügner und ignoranten erkläre.1 ich habe kolb, der noch immer nicht geantwortet hat, bey gelegenheit der Zusendung der Annonce meiner Brochure schreiben lassen, er möchte nur wegen der einrückung das nöthige verfügen. ob es geschieht? dieser Ar- tikel erscheint mir fast wie ein schlimmes omen. vielleicht stößt er sich an meiner Anglomanie, vielleicht auch an meinen fourieristischen ideen, wel- che über das gebiet der tagespolitik hinausgehen, vielleicht auch an der cavalièren Art, womit ich die deutschen fürsten behandelt habe. in galizien sind wieder neue umtriebe entdeckt worden, welche auch ver- zweigungen unter der Armee und den offizieren hatten, und zwar, wie man sagt, im communistischen sinne! das wird wohl eine fabel seyn. in steyer- mark gibt es Bauernunruhen wegen verweigerter Zehenten, in Böhmen gab es spectakel aus Anlaß von kornverkäufen einiger herrschaften, welche die Bauern verhindern wollten. der könig von Preußen hat in den neuesten landtagsabschieden wieder einmahl zu allen Bitten nein gesagt, wie lange kann das noch dauern? wie wenig versteht der mann seinen wahren vortheil. in ungarn wird die gährung immer größer, das Pressburger comitat wollte, wie das Pesther, eine deputation wegen der croatischen Angelegen- heiten hieher schicken, wurde aber durch ein eigenhändiges königliches schreiben davon abgemahnt, sie beschlossen demnach, gegen diesen con- stitutionswidrigen schritt zu protestiren, die deputation zu unterlassen, dagegen aber ein circulare an sämmtliche komitate zu erlassen, worin sie eine gemeinschaftliche Adresse an seine majestät um entlassung seiner minister beantragen. gelingt dieses, so erfolgt eine krisis, doch glaube ich, 1 Allgemeine Zeitung v. 10.1.1846, Beilage 73–76: thiers’ geschichte des consulats und kai- serreichs. vierter und fünfter Band. die ungezeichnete rezension bezeichnet dasWerk als „verjüngtes manifest des Bonapartismus“ und „historische schönfärberei“, das beweise, dass es in frankriech noch genügend leute gäbe, die „nichts vergessen und nichts gelernt haben.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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