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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 558 -
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Tagebücher558 [Wien] 24. Jänner Abends mein Aufsatz über das recht der Arbeit ist von der censur in toto gestri- chen worden.1 schumacher beredete mich, ihn in einigen anstößigen stel- len zu mildern, was ich dann auch, obwohl ungern, gethan habe, ich will nun sehen, ob er so durchgeht, wo nicht, so schicke ich ihn einer auswärti- gen Zeitung. ich muß aber gestehen, daß dieser erste verunglückte versuch mich eben nicht ermuthiget, der Artikel war doch so durchaus allgemein gehalten und nach meiner Ansicht unverfänglich, wie würde es erst an- dern Aufsätzen ergehen, die ich in meinem kopfe vorbereitet hatte. doch ist neulich ein anderer ganz kurzer Artikel von mir unbeanständet, jedoch vom setzer verunstaltet, in der „gegenwart“ erschienen unter dem titel: oesterreich und deutschland. ich habe darin meine Brochure über thiers angekündigt und bey dieser gelegenheit einige floskeln über die nothwen- dige innige verbindung zwischen deutschland und oesterreich hingewor- fen.2 sonst habe ich in diesen letzten tagen nichts producirt. ich fange an, die leiden eines censurpflichtigen Autors zu fühlen. der fasching geht son train und scheint recht lebhaft zu werden. ich war bisher einmahl bey o’sullivan, vorgestern auf dem kammerballe, wo ich zwey Wilde aus italien präsentirte, einen grafen salis und einen conte sagramoso, welche ich auf die häßlichen comtessen hetze, neulich führte ich sie der landgräfinn [fürstenberg] auf und war froh, als diese visite vorüber war. heute war der erste Ball bey Pereira, welche sich nun plötz- lich in die Aristokratie geworfen haben, zum großen verdrusse ihrer stan- desgenossen und zur nicht geringen neugier der unsrigen, welche aber heute doch mit wenigen Ausnahmen erschienen. das ist das größte évé- nement des faschings, ob dieß dauern werde, ist eine andere frage, mich freut aber dieß revirement gar nicht, weil man jetzt auch bey Pereira nur wieder die altbekannten langweiligen gesichter sehen wird. da finde ich meine liebe eskeles viel gescheidter, die heute wieder ganz ausnehmend 1 Andreas schumacher, der herausgeber der Wiener tageszeitung „die gegenwart“, infor- mierte Andrian darüber in einem Brief v. 16.1.1846 (k. 114, umschlag 663). 2 die gegenwart. Politisch-literarisches tagsblatt v. 21.1.1846, 80: literatur. oesterreich und deutschland. in dieser kurzen, ungezeichneten rezension der Broschüre heißt es: „so freuen wir uns vor Allem über ihre echt nazionale richtung, und dies um so mehr, als wie wir vernehmen der verfasser in unserer mitte lebt. es erregt in uns jedes mal ein wohl- thuendes gefühl, wenn wir sehen, […] wie deutscher sinn und deutsche Bildung über die internazionalen halbschranken hinüber und herüber wehen, denn nach unserer überzeu- gung liegt das heil beider theile nur auf diesem Wege. – deutsch ist unser stamm, deutsch unsere sprache und Bildung, deutsch ist das erlauchte haus unseres regenten, so möge denn auch unsere gesinnung nie anders als deutsch sein.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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