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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 559 -
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55931. Jänner 1846 hübsch war. übermorgen ist Ball bey clary und nächstens ebenda ein co- stumirter Ball. vergangenen sonntag war die Armen-redoute, welche mir eine menge Zettel, rendezvous etc. brachte, wovon ich aber nur eines einhielt, nähmlich meines freundes kolowrat maitresse, dienstag früh im Prater, et j’espère que nous n’en resterons pas là. neulich fuhr ich an einem schönen tage nach hitzing hinaus und be- suchte meine wohlbekannten spaziergänge wieder, ging nach s. veit, zu dommayer etc. als eine angenehme erinnerung an den verflossenen som- mer. ich freue mich schon auf den kommenden und hoffe, ihn wieder in die- ser gegend zuzubringen. Wien ist im sommer der angenehmste Aufenthalt, den ich kenne, wenn man nähmlich nicht reisen kann. neulich hatte ich ein großes und vortreffliches diner beym französischen Botschafter. heute Abend mußte ich meine schwester gabrielle ins elysium chaperonniren zu meiner sehr geringen freude, gräfinn coudenhoven, grä- finn tini schönborn und sie, und als chevaliers Papa und Paul coudenho- ven und meine Wenigkeit. hierauf ging ich noch mit gabrielle zu ficquel- mont, welche für sie ein besonderes faible haben. flore ist auf dem Wege der Besserung und fuhr neulich zum ersten mahle aus, doch erholt sie sich sehr langsam. das Wetter ist beispiellos schön und warm, noch keine spur von schnee, diese tage hatten wir in der sonne 16° r., freylich in derselben nacht ein schwaches erdbeben. ich zittere für das frühjahr. heute war ich freudig überrascht kielmannsegge zu begegnen, welcher wieder nach mailand zurückkömmt. meine Brochure ist endlich los, doch erst in diesen tagen, in der Allgemei- nen Zeitung erscheint noch immer nichts. ich bin seit heute dem hofrath terlago zugetheilt, welcher straf- und cor- rectionshäuser und schwere Polizeyübertretungen in seinem referate hat, und zwar um den kranken hofsecretär stadler zu suppliren. [Wien] 31. Jänner vorgestern ist der erste schnee gefallen und zwar in ziemlicher menge, heute aber regnet und thaut es schon wieder, so daß in den straßen beynahe nicht zu gehen ist. Am 25. kam die nachricht vom tode des herzogs von modena, welche den tanzlustigen einen gewaltigen strich durch ihre rechnung machte, denn die hof- und kammerbälle sind nun für diesen fasching aus. die hoftrauer dau- ert 6 Wochen.1 1 der am 21.1.1846 gestorbene herzog franz iv. von modena war der sohn von erzherzog ferdinand (1754–1806), dem Begründer der linie österreich-este.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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