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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 565 -
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56528. Februar 1846 den Artikel über das recht der Arbeit habe ich nach vielen unnützen scherereyen der Allgemeinen Zeitung zugesandt, welche wie ich hoffe keine Anstände gegen seine Aufnahme machen wird. das manuscript über thiers liegt jedoch noch immer unbenützt bey der redaction, jetzt wäre es auch schon zu spät. Wäre ich jetzt regierer oesterreichs, mein entschluß wäre bald gefaßt: ich würde einen mann, der mein vollstes vertrauen besäße, nach Polen schik- ken, um sich von der intensität und lebenskraft der Bewegung, nament- lich im russischen Polen, zu überzeugen, und würde ihm für diesen fall ein manifest mitgeben, worin der kaiser erklärte, daß er den fehler vom Jahre 1830 nicht wiederholen wolle,1 daß er daher um der ruhe europas willen das königreich Polen und meinetwegen czartoryski als könig anerkenne und seine truppen mit den insurgenten vereinige. gleichzeitig aber ließe ich truppen marschiren und die moldau und Wallachey in Besitz nehmen als entschädigung für galizien. [Wien] 28. februar heute sind die generale ernannt worden, welche das Armeekorps in gali- zien kommandiren sollen. lato Wrbna ist Alba en chef, giulay und schaf- gotsche divisionäre, nobili, edmund schwarzenberg, malter und collin Brigadiere, major mayern chef des generalstabes. teschen ist vorerst das rendezvous, und bis 10. kommenden monats sollen 15.000 mann bey Wado- wice versammelt seyn. ungarns lions entbrennen in patriotischem krieges- feuer. rudi lichtenstein und tassilo festetics haben sich dem hauptquar- tiere zur disposition stellen lassen. fritz schwarzenberg geht nach lemberg zum erzherzog ferdinand. edmund Zichy (der sich heute Abends seinen klassischen Bart abschnitt) und Arthur Bathiany ziehen als volontairs in den heiligen krieg, kurz es ist, als stände der feind vor den thoren. die heutigen nachrichten lauten übrigens wenigstens nicht schlimmer, es zeigt sich, daß viele gräuelthaten, die man erzählte, erfunden waren, jedoch haben die insurgenten Wieliczka geplündert. Auch in der marmarosch (un- garn) soll es sich rühren. Aus Böhmen hört man auch immer sonderbarere geschichten, wiewohl gerade von dort am wenigsten gewisses zu erfahren ist. in Prag soll, die einen sagen, im club, die andern auf einem öffentlichen Balle, der kaiserliche Adler herabgerissen worden seyn. heute spricht man von unruhen in opotschna bey königgrätz. Alles schimpft auf den erzher- zog ferdinand, welcher sich so bethören ließ und auch die leute hier in irr- thum führte, wenigstens reden sich diese auf ihn aus. 1 gemeint ist die nichtunterstützung des polnischen Aufstands 1830/31 und nichtanerken- nung der revolutionären regierung.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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