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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 566 -
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Tagebücher566 [Wien] 3. märz diesen morgen ist ein Bataillon deutschmeister auf der Eisenbahn abge- fahren. morgen folgt das ganze regiment. lato Wrbna, die generäle, galo- pins etc. sind ebenfalls gestern fort, fritz schwarzenberg der erste. morgen folgen edmund Zichy und A. Bathiany nach. doch haben sich die sachen seit ein paar tagen sehr verändert, es scheint, daß die ganze geschichte zu ende geht, und daß das neue Armeekorps keinen feind mehr finden wird. gm collin hat Podgorze und Wieliczka wieder genommen, oberstleutnant Benedek ist von lemberg mit einem Bataillon bis Bochnia gezogen und hat die gegend gesäubert, die Bauern machen allenthalben Jagd auf die edel- leute und mandatare, und ich glaube, daß in 8 tagen gar nichts mehr zu thun seyn wird, als hie und da einen versprengten insurgenten zu fangen und die Bauern wieder zur ruhe zu bringen. letzteres dürfte am schwer- sten seyn. daß aber das land durch diese ganze unglücksgeschichte wieder auf Jahre zurückgeschritten ist, leidet keinen Zweifel, materiell durch die Plünderungen etc. und moralisch durch den erweiterten riß zwischen Bau- ern und grundherrn, durch das Bewußtseyn ihrer kraft von seite der er- stern, und daher gesteigerte renitenz und schwierige Administration für die regierung. die geistlichen haben (gegen oesterreich unbegreiflicherweise) bey der ganzen sache eine sehr thätige rolle gespielt, namentlich fand man bey den Jesuiten in lemberg große Waffen- und Pulvervorräthe zur großen Bestürzung Bombelles’ und konsorten, aber zu meiner großen freude. ich wünschte, daß ihnen das den hals bräche, aber es wird wieder nichts rech- tes geschehen, nach keiner seite hin. hofrath Zaleski ist heute als hofkommissär zur untersuchung der sa- che nach galizien abgegangen, gestern in gleichen Aufträgen hofsecretär Breymann von der Polizeyhofstelle,1 wieder ein décousu. carl lichtenstein ist gestern nach Petersburg abgesandt worden mit Aufträgen an den kaiser! Als die sachen für uns am ärgsten standen, vor 4–5 tagen, ließ sich graf medem eines Abendes im club in ganz maßlosen Ausdrücken vernehmen, nannte uns schlafhauben, er habe uns seit 6 monaten gewarnt so wie auch kaiser nicolaus, als er hier war, das komme bey der übertriebenen guther- zigkeit heraus, nun möchten wir die suppe austrinken, die wir eingebrockt hätten etc. leider war ich nicht da. niemand antwortete, mehrere, z.B. lato Wrbna, abundirten sogar in seinem sinne. die sache hat einiges Aufsehen gemacht, so daß medem tags darauf bey schönburg eine Art von Amende honorable machte. gewiß aber ist es, daß diese geschichte verglichen mit der vollkommenen ruhe in russisch Polen den russen eine sehr triumphi- rende Antwort liefert auf alle die declarationen, zu welchen die vielbespro- 1 richtig frh. Anton v. Päumann, hofsekretär an der obersten Polizei- und Zensur-hofstelle.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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