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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 571 -
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57129. März 1846 übrigens war ich in diesen tagen sehr herabgestimmt, meine nerven sind in einem zerrütteten Zustande, und zum ersten mahle äußert sich bey mir der einfluß moralischer Aufregung auf den körper, in folge aller der gedanken, Projekte und zum theile fehlgeschlagenen unternehmungen ist in mir eine reaction, eine Abspannung eingetreten, von welcher ich mich noch nicht ganz erholt habe. ich werde wohl diesen sommer ein seebad brauchen müssen, ob- wohl mich ein andres Projekt beschäftigt, welches mich mehr anlacht, und das wäre, ungarn und siebenbürgen en détail zu bereisen und vielleicht in der folge eine darstellung der verfassung der sachsen in siebenbürgen, dieses musters einer municipalverfassung und selfgovernment, herauszugeben. überhaupt geht meine richtung seit einiger Zeit stark nach ungarn. seit ich die idee aufgegeben habe (gezwungenerweise), durch ein österreichisches organ auf die öffentliche meinung in österreich zu wirken, habe ich die idee gefaßt, dieses von ungarn aus zu versuchen, wo die censur doch um einen grad gelinder ist als hier. ich habe darüber mit emerich Bethlen gesprochen und durch ihn die nöthigen vorläufigen schritte thun lassen. Auch habe ich eine Art von Programm entworfen, worin das beabsichtigte unternehmen in einem der regierung möglichst annehmlichen lichte dargestellt wird, als handle es sich nämlich um ein organ des deutschen elementes in un- garn, als Bindungsmittel zwischen diesem lande und der übrigen monar- chie und zugleich zwischen slavismus und magyarismus in ungarn selbst. so ist es durch Bethlen eingebracht worden, Josika ist ganz für den Plan ge- wonnen, und es könnte seyn, daß die sache fortgang fände. dann könnte es ein brillantes und zukunftsreiches unternehmen werden, denn wir könnten auf glänzende kräfte (Pulszky, list, lad. teleki etc.) rechnen. vor Allem ist es nun nothwendig, einen inoffensiven und unverdächtigen strohmann als namenhergeber zu finden, ich halte mich natürlich vorerst ganz im hinter- grunde, denn man darf es nicht ahnen, daß die sache eigentlich auf die öster- reichischen Provinzen gemünzt ist. vielleicht werde ich mit Bethlen näch- stens in dieser sache nach Pressburg zu casimir esterhazy fahren müssen. im schlimmsten falle könnte man vielleicht die Preßburger Zeitung kaufen. gewiß aber ist es, daß alle diese ideen etc. mich in einer fortwährenden Aufregung erhalten, welche mir dann solche intervalle von prostration de forces zuwegen bringt. ich wollt’ es wäre schlafenszeit und Alles hätt’ ein ende – –1 1 Wohl nach shakespeares heinrich iv. (5. Akt, 1.szene), falstaff: i would ’twere bedtime, Hal, and all well; in der Übersetzung Wielands: Ich wollt’ es wäre Bettzeit, Hall, und alles wäre vorbey.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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