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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 572 -
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Tagebücher572 kolb hat den Artikel noch nicht gedruckt, wegen hamburg noch immer nichts, was bedeutet das? mein äußeres leben ist sehr ruhig, in die Welt (welche übrigens sehr still ist) gehe ich sehr wenig, ebensowenig ins theater, bin viel zu hause, im club und bey meiner guten marie Bujanovics, welche ein gar gutes geschöpf ist, und bey der ich oft den Abend zubringe. [Wien] 3. April die polnischen helden, generäle wie volontairs, sind nun alle zurück, nur gm nobili liegt krank in Biala, übrigens lauten die nachrichten von dort nichts weniger als beruhigend. die Bauern weigern sich allenthalben zu ro- bothen, und man will keine energischen maßregeln brauchen, wenn aber die- ses nicht geschieht, so ist in 3 monathen der ganz Bauernstand galiziens rebellisch. Ja selbst die revolutionairen umtriebe sollen wieder angehen, und man sagt, daß der charfreytag zu einem nochmaligen losschlagen bestimmt sey, dieß letztere mag aber wohl erlogen seyn. der erzherzog ferdi nand ist ganz verblendet, contrecarrirt alle maßregeln der regierung und behauptet noch immer, die ganze sache sey ein blinder lärmen gewesen, und die Polen seyen die loyalsten unterthanen des kaisers!! o schafskopf! und man wagt es nicht, ihn zu entfernen, weil er ein erzherzog ist. das kommt von den An- stellungen der erzherzoge, welche jetzt so überhandnehmen. ficquelmont ist in diesen tagen mit einer auf die polnischen Angelegen- heiten bezüglichen mission nach Berlin abgegangen. unser dortiger ge- sandte trautmannsdorf, ein krautesel, soll schon lange durch felix schwar- zenberg ersetzt werden, aber man will ihn nicht kränken und läßt also lieber die sachen gehen, wie sie gehen. übrigens haben die Polen in ungarn sehr viel Anklang gefunden, und zwar nicht nur unter der opposition, und edmund Zichy wird für seine krie- gerische Aufwallung manchen strauß im vaterlande zu bestehen haben, ge- rade in diesen tagen wurde mit genauer noth ein duell verhütet, welches er aus dieser ursache haben sollte. lato Wrbna schwadronnirt und déraisonnirt mehr als je, will Alles massa- kriren lassen, etc. vorgestern begann die italienische oper, maria di rohan, tadolini, fraschini, collini, sehr gut und viel Applaus. neulich machte ich bey der reviczky die Bekanntschaft des Pianisten liszt und begleitete sie am selben Abende in das concert dieses letzteren. campe schrieb dieser tage um zu erfahren, wer der verfasser der Bro- schüre über thiers sey? ob er eine Ähnlichkeit in Auffassung oder styl her- aus gewittert hat? übrigens haben mich schon eine menge leute wegen je- nes Büchelchens angesprochen, ich sage Allen dasselbe, daß nämlich dieser Aufsatz Anfangs für die Allgemeine Zeitung (welche mich übrigens seit ein
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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