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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 574 -
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Tagebücher574 zien meinte er, solle man den ganzen Adel zum lande hinauswerfen und den Bauern frey machen. mit dieser maßregel wäre auch ich ganz einverstan- den, nur müßte sie eben so energisch durchgeführt als beschlossen werden. es ist übrigens im Werke, von den gütern der compromittirten (und dieß sind fast alle polnische Adelichen) den schadenersatz für die unkosten und verheerungen, welche durch die insurrection hervorgerufen worden sind, einzuheben, dieß hätte statt einer güterconfiscation zu dienen, welche nach unseren gesetzen nicht mehr existirt. die Bauern wollen noch immer nicht robothen, und wo sie es wollen, wer- den ihnen die robothen von den grundherrn selber nachgesehen. diese hof- fen auf diese Art die Aufregung im lande zu unterhalten, sich besser mit den Bauern zu stellen und diese gegen die regierung aufzubringen, wenn dieselbe einmahl energisch einschreiten sollte. Jedenfalls ist die lage der regierung eine äußerst mißliche. lazanzky war in diesen tagen hier, und vorgestern kam auch erzherzog ferdinand hier an, hoffentlich um nicht mehr zurückzukehren. seit drey tagen ist georges Apponyi ungarischer kanzler, mailáth geht auf reisen, auch das ist eine frucht der plötzlichen courage, welche unsere machthaber in sich verspüren. Apponyi soll energische reactionsmaßregeln ergreifen: verschärfung der censur, Anklagen gegen die häupter der oppo- sition etc., lauter negative, formelle dinge, welche die leute nur aufreizen und nicht bändigen, eine offene, loyale suspendirung der constitution, eine dictatur mit energischen, wohltätigen reformen wäre viel besser. Apponyi wird sich nicht lange halten, denn er ist der unpopulärste mann in ungarn, und sein system, das einer deutschen Bureaukratie, ist es nicht minder. Jo- sika hat seine entlassung verlangt wegen differenzen mit dem staatsrathe resp. hofrat rosenfeld wegen der dem bevorstehenden siebenbürgischen landtage zu machenden Propositionen hinsichtlich der urbarialangelegen- heiten. man hofft aber, daß sich dieses ausgleichen wird. für mein Projekt einer deutschen Zeitung ist jener regierungswechsel wie es scheint nicht günstig. doch müssen wir erst die folge abwarten, im schlimmsten falle könnte man immer die Preßburger Zeitung kaufen, je- doch freylich nur dann, wenn die censur nicht so unvernünftig streng ver- fährt wie hier. einstweilen habe ich so eben einen Artikel geschrieben über die reform eigentlich erschaffung des gemeindewesens in unsern deutschen Provinzen (incl. galizien), welche nach meiner Ansicht innig mit der beab- sichtigten Aufhebung der robothen etc. zusammenhängt. Was mit dem Auf- satze geschieht, ob er wo gedruckt wird oder in meinem schreibtische jung- fräulich verfault, das wissen die götter. das Wetter ist sehr warm und größtentheils schön, alle Bäume in der Blüthe und der rasen schon ganz grün. die hofzeremonieen der charwoche
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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