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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher578 [Wien] 30. April die letzten tage April sind ziemlich rauh und unfreundlich, wir wollen se- hen, wie der morgige 1. may ausfällt. ich habe neulich Jenny lind in der norma gehört, lange hat mich nichts so hingerissen. diese edle, reine und doch so natürliche Auffassung der rolle, dieses vollendete spiel bis in den allergeringsten nuancen, die stille gluth in ihr, kurz Alles zusammen ist eine unbeschreibliche, geniale erscheinung. dabey ist auch ihre stimme sehr angenehm und ihr gesang meisterhaft. ich habe die Pasta, malibran und giulia grisi in dieser rolle noch ganz gegenwärtig, aber mir hat keine von ihnen besser gefallen, ein vergleich ist übrigens nicht möglich, weil die ganze Auffassung so durchaus verschieden ist. heute Abends reist lato Wrbna nach ferrara, um da die russische kai- serinn zu erwarten und sie durch die monarchie zu begleiten. Wien wird sie wohl nicht berühren. hammerstein ist zum kommandirenden in galizien ernannt. man weiß noch immer nicht, was mit erzherzog ferdinand geschieht, es ist zwar ge- wiß, daß er jetzt wieder dahin zurückkehrt, aber viele behaupten, es ge- schehe dieses nur für den Augenblick und um ihn nicht zu sehr zu compro- mittiren, eine hübsche staatsraison! übrigens dauern die verhandlungen über die galizischen Angelegenheiten gleich lebhaft fort. erzherzog ferdi- nand, krieg und Zaleski sind gegen alle weitern concessionen, hartig als bucklichter tyrann war sogar gegen die, welche das Patent gewährte, was aber da heraus kommen werde, das weiß niemand, jedenfalls nichts ge- scheidtes. denn es ist ein entsetzlicher moment von dummheit über die leute gekommen. der größte Alarmist in Wien aber ist fürst metternich und sein salon, der wittert überall verrath, complott etc., so wird nun auch das Attentat auf louis Philippe ausgebeutet. nun ist auch sigmund reischach aus lemberg angekommen mit einer menge Waffen, sensen, Pa- tronen von gehacktem Bley etc., die den insurgenten abgenommen wurden und nun zum allgemeinen entsetzen unserer damen in den salons herum- gezeigt werden. meinen Artikel über die bäuerlichen verhältnisse in galizien trug ich direkte zu clemens hügel, ihn bittend mir zu sagen, ob er hier zum drucke werde zugelassen werden. der aber meinte, er würde zu aufregend wirken! seitdem liegt er in meinem tische. doch habe ich gestern von schumacher ein Billet erhalten, welcher davon gott weiß wie kenntniß bekommen hat und ihn in die „gegenwart“ haben möchte.1 das ungarische Zeitungsprojekt ruht wegen der noch immer unentschie- denen stellung Josikas und der momentanen Berserkerwuth Apponyis. 1 Andreas schumacher an Andrian, Wien 28.4.1846 (k. 114, umschlag 663).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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