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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 584 -
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Tagebücher584 einstweilen nur probeweise zu werden. Wenn er, Pillersdorf, einmahl unser oberster kanzler werden würde, dann wolle ich wieder zurückzukommen suchen, früher aber nicht. inzaghys leo thunophobie mußte mir hier, wie überhaupt, stoff zu manchem sarkasmus biethen, es ist aber auch gar zu dumm. ich erwartete nun, daß inzaghy mich werde rufen lassen. das geschah aber nicht, wieder ein Beweis seiner theilnahme für mich, so mußte ich denn nach mehreren tagen, schon dem erzherzoge zu gefallen, mich ent- schließen, den ersten schritt zu thun und hin zu gehen. er empfing mich halb gewinnend, halb entschuldigend, ich hätte den schritt in einem Zu- stande der Aufregung gethan, warum ich denn nicht früher bey ihm gewesen wäre, um es ihm zu sagen, und als ich antwortete, das hätte ich ja vor 4 Wochen gethan, und er habe nichts darauf geantwortet: ja, muß man denn auf Alles antworten? in diesem tone ging es fort, und endlich kamen wir überein, daß ich meine entlassung schriftlich zurücknehmen werde, worauf er dann meine Angelegenheit an hof vorlegen wolle. ungefähr um dieselbe Zeit, am 24. dieses monats, ging ich zu Baron kübeck, den ich früher nicht hatte sehen können, und trug ihm meinen Wunsch vor, welcher ihm zu gefallen schien, er fragte mich, ob er mich auch zu französischen correspondenzen werde verwenden können? was mir be- weist, daß er die Absicht hat, mich zu den interessanteren geschäften sei- nes ministeriums zu brauchen. so wäre ich also vielleicht jetzt daran, die früchte meiner jahrelangen studien und meiner abortirten reisepläne zu pflücken! erst nach dieser unterredung reichte ich an graf inzaghy 2 gesuche ein, in dem ersten bath ich ihn ganz kurz, bey den inzwischen veränderten ver- hältnissen mein gesuch vom 4. dieses monats als nicht geschehen zu betrach- ten, in dem andern modifizirte ich mein gesuch vom 2. december 1844 dahin, daß ich seine majestät um verleihung einer überzähligen unbesoldeten re- gierungsrathsstelle unter gleichzeitiger, wenigstens probeweiser, Zuweisung zur hofkammer bäthe, und motivirte dieses gesuch durch meine specielle vorliebe für mehrere Zweige der finanzverwaltung und durch den Wunsch allseitiger Ausbildung. ich erwarte nun zu erfahren, ob inzaghy meine sache an hof vorgelegt hat, um sodann die weiteren schritte zu machen. gleichzeitig habe ich wieder angefangen mein Bureau zu besuchen, wel- ches ich seit 4., dem datum meines entlassungsgesuches, nicht gethan hatte. schumacher hat mir meinen Aufsatz noch nicht zurückgebracht, auch sonst habe ich nichts geschrieben, ich muß jetzt vorerst mich hier zurecht richten, und dieses geschieht eben, nebstdem will ich abwarten, was sich in hamburg auskochen wird, ich habe campe nämlich bereits praeveniren las-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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