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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 586 -
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Tagebücher586 im tarnowerkreise haben die Bauern 13 chevauxlegers erschlagen, die sie zur roboth zwingen wollten. die loyalen Bauern und das ruhige galizien. Jenny lind ist nach einem wüthenden Jubel endlich abgefahren. ich sah sie unter andern noch in den hugenotten mit tichatschek, einem infamen kerl trotz seiner dresdner oder Berliner reputation, dann in einem Abend- konzerte, wo sie schwedische lieder zum niederknieen sang. da gab es nachtmusiken, Pferde ausgespannt etc. seit gestern gibt man im kärnth- nerthore i lombardi, ein schwacher Abglanz der superben Besetzung dieser oper in der scala 1843. neipperg sehe ich sehr viel. doch geht er bald wieder fort. ich finde ihn ruhiger und practischer geworden, er nimmt an den interessen der gegen- wart mehr Antheil, anstatt wie früher ausschließlich in eine ferne Zukunft zu sehen. es ist nicht zu läugnen, daß er einer der begabtesten menschen ist, welche mir vorgekommen sind. Wie mich hat toussenel’s Buch les juifs rois de l’epoque auch ihn entzückt. er hat diesen Winter in mailand eine höchst interessante magnetische kur an der frau des ercole camozzi gemacht. louise Praschma ist zurück, sieht aber um kein haar besser aus als vor ihrer Abreise, auch ihre unschuldige (oder eingebildete) flamme ist noch das, was sie gewesen. Als ich sie zum ersten male sah, sprach sie mir 2 stunden lange davon in ihrer kindlichen merkwürdigen unbefangenheit. ich aber, zum danke dafür, hinterging sie schändlich, indem ich ihr ein altes holzbein aus der hofkanzley als eine reliquie tettenborns anhängte, sie hatte mich näm- lich vor ihrer Abreise beauftragt, ihr ein Andenken von t. zu beschaffen, ich aber hatte theils darauf vergessen, theils war es wirklich unmöglich gewesen. der hof ist bereits in schönbrunn, flore schon lange in hetzendorf, auch gabrielle ist nun auf 8 tage in der Weilburg bey Baden, wo ich sie neulich besuchte. meine Bujanovics, die gute seele, schreibt mir häufig. Auch lucile grahn, die weniger gute seele, überschüttete mich neulich mit vorwürfen über meine geringe dienstfertigkeit etc. die leute glauben, man sey nur dazu da, um sich zum piccolo für sie herzugeben. schuselka hat wieder ein Buch geschrieben: deutschland, Polen und rußland,1 worin er unter Andern behauptet, daß „der große hochgeborene unbekannte, der verfasser von oesterreich und seine Zukunft, für die Allge- meine Zeitung arbeite.“ [Wien] 13. Juni ich bin gestern von einem kurzen Ausfluge zurückgekommen, den ich theils um der frohnleichnamsprocession auszuweichen, theils weil ich es neu- 1 franz schuselka, deutschland, Polen und rußland (hamburg 1846).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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