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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher588 kr W.W. colportirt wird. es führt im Böhmischen den titel: Brief aus Polen über die neuesten dortigen ereignisse, und da werden dann diese dahin ver- dreht, daß die Bauern sich geweigert hätten, steuern und grundabgaben zu zahlen, die doch von gott eingesetzt wären, daß sie tausende von böhmi- schen soldaten erschlagen hätten, aber endlich mit gottes hilfe zu Paaren getrieben und bestraft worden seyen. übrigens denkt man seit den polnischen geschichten allenthalben ernst- lich an die Ablösung der robothen. in galizien wird sich die regierung ins mittel legen, wie? ist noch nicht ganz ausgemacht, hier, in Böhmen und mähren legen die gutsherrn hand an, und es ist nur die Weigerung der Bau- ern zu befürchten, welche sich einbilden, daß die regierung die robothen nächstens ohne irgend ein entgelt abschaffen werde. die niederösterreichi- schen stände haben übrigens schon vor 2 Jahren ein sehr schönes Projekt verbunden mit dem gleichzeitig beantragten landschaftlichen creditvereine vorgelegt, welches aber noch in der löwenhöhle des erzherzog ludwig liegt. der vortheil der reluition ist für beyde theile, so z.B. hat Belcredi grund- stücke, die ihm bisher bey der Bewirthschaftung durch robothen höchstens 2 fl per metzen trugen, nun kleinweise an seine unterthanen (welche fle- hentlich darum bitten) durchschnittlich um 5 fl verpachtet, und in diesem verhältnisse soll sich das resultat allenthalben herausgestellt haben, abge- sehen von der einfacheren regie, weniger Beamten etc. in der politischen Welt eine menge spectakel: revolution in Portugal, wo man sogar von der Abdankung der königinn spricht, welches sich aber nicht bestätigt, krieg zwischen den vereinigten staaten und mexiko.1 der Pabst am 1. dieses monats gestorben und in folge dessen neue Befürchtungen in italien, welches auch der wahre oder vorgeschützte grund ist, weßhalb erz- herzog rainer zur enthüllung des monuments kaiser franz nicht kömmt.2 ich bin für italien ganz ruhig, meine aber, daß itzt der moment wäre, um der päbstlichen regierung, der schlechtesten in der Welt, administrative refor- men gleichsam als eine Art Wahlkapitulation aufzudringen, denn solch ein hundegouvernement schützen zu müssen, ist himmelschreyend. im nordwestlichen ungarn treten trotz der offiziellen Abläugnungen im- mer mehr (nun schon an 80.000) menschen zum griechisch nichtunierten ritus über, seit eine königliche verordnung vor ein paar monathen die Be- 1 die vorgänge in Portugal waren teil des permanenten Bürgerkriegs in diesem land, eine Absetzung von königin maria ii. erfolgte nicht. der krieg zwischen den usA und mexiko, ausgelöst durch die Aufnahme von texas als Bundesstaat der usA 1845, endete mit dem frieden von guadelupe hidalgo vom 2.2.1848, in dem mexiko die gesamten heutigen süd- westgebiete der usA und kalifornien abtreten musste. 2 das in mailand gegossene denkmal kaiser franz i. von Pompeo marchesi wurde am 16.6.1846 im hof der Wiener Burg enthüllt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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