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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher594 tät besitzt (sagte ich ihnen), werdet ihr weder für euch noch für das ganze etwas erlangen, und diese könnt ihr euch nur dadurch erwerben, daß ihr für die allgemeinen interessen auftretet – gemeindereform, volksbildung, öffentlichkeit der gerichte etc. [Wien] 2. July meine geschäfte sind in ordnung, und ich reise morgen früh via Prag per eisenbahn ab. mit graf kolowrat, welcher schon durch erzherzog stephan vorbereitet war, habe ich gesprochen. die sache wird dann doch an kübeck geleitet, und ich habe ein nachträgliches majestätsgesuch eingereicht. erzherzog rainer kömmt dieser tage, ich bin recht froh, daß ich ihm aus- weiche. die alte Pallavicini ist endlich gestorben. der censor deinhardstein soll auf verlangen medems wegen eines Artikels der theaterzeitung über den krieg im caucasus entlassen werden!! hannover, 10. July Am 3. früh fuhr ich von Wien mittelst eisenbahn ab, traf in lundenburg en passant rudolf stadion, von da an war mir die gegend neu, ein freund- liches, fruchtbares hügelland. gegen 1 uhr wurde in Prerau gegessen und die Wagen gewechselt, welche von da an wirklich magnifique sind. die fahrt von olmütz bis gegen hohenmauth ist sehr interessant, sehr schöne, wech- selnde, oft wildromantische gegenden, besonders bey hohenstadt. Abends 1/2 10 waren wir in Prag, und ich entkam glücklich sowohl beym herein- als herausfahren dem vorweisen meines Passes, Angabe des nahmens etc., welches mir bloß erzherzog stephan’s wegen unangenehm gewesen wäre, an welchen ich 2 tage vor meiner Abreise geschrieben hatte, und der daher viel- leicht praetendirt hätte, daß ich in Prag zu ihm käme. Wäre dieser umstand nicht gewesen, so wäre ich gerne einen tag in Prag geblieben, welches ich seit 1832, als ich da florirte, nicht mehr gesehen, so aber begnügte ich mich, bey mondenschein ein bischen herum zu steigen und beym schwarzen roß zu soupiren, wo ich glücklicherweise nicht einen Bekannten fand. tags darauf um 4 uhr früh fuhr ich fort und nach dem 2 1/2 stunden entfernten obrzistwi, wo die dampfschiffe stehen. da angelangt traf ich auf dem vordecke Breuner sammt söhnen und neveu markovics, wir fuhren also mitsammen, sonst war kein Bekannter an Bord, dagegen mehrere hüb- sche frauen, ohne daß ich jedoch (meiner gewohnheit nach) mit einer von ihnen gesprochen hätte. um 1/2 8 Abends war die „germania“ in dresden und ich eine halbe stunde darauf auf der Brühl’schen terrasse etablirt, wo auch Breuner cum suis bald nachkam. seit ich dresden nicht gesehen, ha- ben sich besonders die Anlagen in der stadt, namentlich um den Zwinger herum, sehr verschönert.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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