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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 597 -
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59710. Juli 1846 mir das schloß (seit 1830 neu gebaut, magnifique), den fürstlichen garten, das Altstadtrathhaus, die domkirche mit dem grabe heinrichs des löwen und der herzoglichen familiengruft, dann das grab der königin caroline von england etc., das löwendenkmal für heinrichs des löwen getreues thier, den herzogsobelisk vom Jahre 1827 etc. [an]. Auch sah ich mir den stall des herzogs an, welcher heute von Wien zurückkommen soll, endlich ein sehr merkwürdiges modell der schlacht von Waterloo von captain siborne, wel- ches eben für geld gezeigt wurde. nach tische fuhr ich nach richmond und nach der schill’schen kapelle,1 welche einen tiefen eindruck auf mich machte, erzherzog carl und Andreas hofer, beyde oesterreicher, und man will uns vergessen machen, daß wir vor Allem deutsche sind!! – – Während ich in richmond war, kam der herzog dort an, und mein lohn- bedienter, wie es scheint ein politisches orakel Braunschweigs, war ganz überzeugt, daß es aus furcht vor dem Pöbel in Braunschweig geschehe, der an das schloß Anschläge geheftet hatte: der herzog möge zurückkommen, sonst werde es ihm schlecht ergehen. die leute sind ihm gram, weil er viel auf reisen geht, und weil es, wie es scheint, seit dem schloßbau und den eisenbahnbauten viele unbeschäftigte leute im lande gibt. Auch soll der Anschluß an den Zollverein die lebensmittel, colonialwaaren etc. sehr ver- theuert haben, ohne dafür ein Aequivalent zu geben.2 um 1/2 8 Abends fuhr ich ab, per eisenbahn, und war gestern 9 uhr in hannover. das land ist flach, sandig, wenig bebaut, meistens Waldungen oder gründe, wo torf gestochen wird. heute nun bin ich meiner gewohn- heit nach herumgestiegen, solange mich meine füße tragen konnten, war in georgen Park (wo jetzt der könig wohnt), in herrenhausen, auf der Wa- terloosäule, um einen überblick der übrigens ohnehin kleinen stadt zu gewinnen, etc. die stadt ist moderner und lebhafter, aber viel kleiner und minder originell als Braunschweig, auch hier sind sehr schöne Anlagen um die stadt, viele gartenhäuser und öffentliche gärten, so daß man glaubt, in einem englischen Parke zu seyn. Das Schloß hat eine magnifique Façade, ganz wie ein griechischer tempel. heute aß ich um 4 table d’hôte mitten unter einer unzahl deputirter und mitglieder der 1. kammer, es wird hier von nichts gesprochen als von eisenbahnen, welche in diesen tagen von den kammern bewilliget worden sind. leider sind die sitzungen geheim. 1 das mausoleum des am 31.5.1809 gefallenen ferdinand v. schill in Braunschweig. 2 das residenzschloss in Braunschweig wurde von 1831 bis 1836 erbaut, die eisenbahnen des herzogtums wurden vom staat errichtet, die 1838 eröffnete strecke Braunschweig- Wolfenbüttel war die erste staatsbahn deutschlands. dem deutschen Zollverein trat Braunschweig mit vertrag vom 19.10.1841 bei.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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