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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 604 -
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Tagebücher604 übrigens habe ich weder in Appetit noch schlaf, seit ich auf helgoland bin, ir- gend eine erhebliche Änderung gespürt. Auch sonst ist eine heftige reaktion, wie sie meistentheils auf eine oder die andre Art (z.B. bey fugger durch ein enormes Anschwellen und Ausschlag an den geschlechtstheilen) eintreten soll, bey mir noch nicht vorgekommen. ich hoffe, daß das Bad auf mich seine Wirkung äußern werde, ich habe ein recht darauf, denn das hiesige leben ist so langweilig, daß ich es jedenfalls ziemlich theuer erkauft habe. ich bin noch immer kein großer seeheld und bin jedesmahl froh, wenn ich meine tägliche hin- und herfahrt nach der düne überstanden haben, daher fehlt mir der Zeitvertreib des spazierenfahrens und des fischfanges, womit sich z.B. die Breuners sehr viel beschäftigen. mein kopf gestattet oder gestattete wenig- stens bis auf diese letzten tage keine anhaltende Beschäftigung, und zudem sind die hiesigen Wohnungen von der Art, daß man nicht einen Augenblick ruhe hat, sondern jeden schritt und jedes Wort hört, welches über und ne- ben einem gesprochen wird. Zeichnen, mahlen, musik etc. verstehe ich leider nicht zu treiben, und so wurde mir natürlich oft die Zeit lang. Wir hatten jetzt ein paar schöne tage und bey nacht seeleuchten, was aber bey Weitem nicht so schön und allgemein ist als wie im mittelländi- schen meere. früher aber hatten wir meistens ein infames stürmisches und hundekaltes Wetter, so daß man nicht ohne Paletot ausgehen konnte. die erste fournée der Badegäste ist schon weg, meistens sachsen, darun- ter die familie des generals v. senfft aus dresden, welche mir unendlich wohl gefiel, wiewohl sich meine Bewunderung bescheidentlich in der ferne hielt. Jetzt ist es eine andere Armida, die mich ebenso aus der ferne fesselt, nämlich die tochter eines Bremer kaufmanns huchting, eine außerordent- lich interessante graziöse junge Person, die viel von einer creolinn an sich hat. sie ist an der table d’hôte bey Peter franz mein vis-à-vis. heute war große segel-regatte, welche durch mehrere subscribenten veranstaltet worden war. es waren 14 kleine schiffe, sogenannte evers, die distanz war hin und zurück ungefähr 5 seemeilen, und die ganze course dauerte 3 stunden. nachher hatten wir ein großes diner bey mad. mohr, und schon vor einigen tagen hatten wir ein noch größeres, beynahe 4 stun- den langes, sogenanntes vorbereitendes Zweckessen gehabt. Breuner, Baron haugk aus leipzig und ein mr. ross aus hamburg, und seit seiner gestern erfolgten Abreise ein dr. löhr aus hamburg bildeten das committée. Bey beyden gelegenheiten, aber vorzüglich das erstemahl wurden eine masse reden gehalten und toasts ausgebracht, und zwar meistens, sowenig auch äußerer Anlaß dazu vorhanden war, politischen inhalts – expellas furca, ta- men usque recurret – !! – es wurde wirklich ganz ausgezeichnet schön ge- sprochen, man sieht, daß die leute hier ohne unterschied an öffentliches sprechen gewöhnt sind, auf die deutsche einigkeit, auf die freyheit des
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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