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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 605 -
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6052. August 1846 Wortes, für die holsteiner, etc. dabey wurde entsetzlich viel getrunken, und namentlich das erstemahl ging es nicht ohne eine menge räusche ab. doblhoff, welcher ein ganz gescheidter, praktisch tüchtiger mann ist, hat mir eine menge schriften zu lesen gegeben, welche er mit gebracht hat, um sie einigen schriftstellern, welche sich wie kuranda, schuselka etc. vorzugs- weise mit oesterreich beschäftigen, mitzutheilen und dadurch ihre Ansich- ten über die Wirksamkeit unserer landstände in neuester Zeit zu berichti- gen, also indirect auf die öffentliche meinung zu wirken. es sind darunter die letzten staatsschriften der niederösterreichischen stände wegen Ablö- sung der Zehenten und robothen und die Beschlüsse der in galizien in folge der bekannten ereignisse aufgestellten regierungscommission. campe hat mir eine unzahl schriften über oesterreich geschickt als ma- terial zu meiner begonnenen Arbeit, welche mir übrigens bis nun sehr lang- sam und schwer von der hand geht, zugleich hat er mir angezeigt, was ich schon wußte, daß er castle’s manuscript nicht drucken könne. ich habe es dann auch sogleich an neipperg geschrieben. von Wien höre ich nichts neues, neulich habe ich an michael strasoldo und an emerich Bethlen geschrieben, um ihnen die respectiven Aufträge zu recommandiren, welche ich Beyden hinterließ, und bin begierig auf das re- sultat. Am 3. August wird die vielbesprochene preußische constitution erschei- nen, ein sauberes machwerk wird das werden.1 es ist nicht sympathie, son- dern die noth, welche deutschland an Preußen weist, wie leicht könnten wir ihm also den rang ablaufen! Aber dazu gehört sich allerdings verstand und guter Wille, und Beydes fehlt bey uns in einem jämmerlichen maße. Auf heute Abends bin ich leider zu einer langweiligen soirée beym engli- schen gouverneur captain hindmarsh geladen, welche dieser zu ehren der herzoginn von Anhalt-coethen gibt. ich weiß gar nicht, wie ich zu dieser ehre komme, nachdem ich dem gouverneur noch gar keine visite gemacht habe. dergleichen späße könnte ich füglich entbehren. [helgoland] 2. August Wir haben seit einigen tagen herrliches Wetter, und manchmal, d.h. in der sonne, drückend heiß. die luft aber ist immer kühl, und morgens und Abends ist es sogar sehr frisch. man fühlt es überhaupt sehr, daß man im norden ist. die seebäder wirken jetzt immer wohlthuender auf mich, doch bin ich manchmal, z.B. gerade heute, so schwach und abgespannt, daß ich kaum 1 gemeint ist die erst am 3.2.1847 verkündete schaffung eines preußischen generalland- tags.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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