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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 609 -
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60911. August 1846 welche freylich, da es sich selbst (auf lebenszeit) ergänzt, eine Art olig- archie geworden ist und gerade jetzt einige opposition im volke zu finden anfängt. es herrscht hier noch das dänische recht. sonst zahlen sie weder steuern von irgend einer Art nach england noch sonst etwas, haben ihre eigene flagge, keine Besatzung etc., das ganze bewaffnete korps besteht aus 2 helgoländer mit stock und Pelzmütze als Polizeydiener. kürzlich ließ der rath einen constabler aus london kommen, dieser erregte einen furchtba- ren lärm, der arme mann wurde überall durchgeprügelt und wird nächstens die insel verlassen. neulich hatten Breuner und ich eine lange conversation über diese dinge mit mad. Peter franz, unsere Wirthinn, und wir konnten uns über ihr interesse und ihre kenntnisse an denselben nicht genug wun- dern. Prinz Albert hat bey näherer Bekanntschaft sehr in meiner meinung ge- wonnen, er spricht mit mir sehr viel und angelegentlich von Politik, und ich war freudig überrascht, in ihm eine wahrhaft liberale gesinnung, ein tie- fes rechtsgefühl und einen ächt deutschen geist verbunden mit einer ge- nauen kenntniß der sächsischen Zustände zu finden. er haßt und verachtet fürst metternich und spricht dieses offener aus als eben nothwendig wäre, er fragte mich, ob ich auch zu seinen Bewunderern gehöre, wogegen ich mich höchlichst verwehrte. Wir sprachen neulich lange von der elenden rolle, wel- che er oesterreich in und außerhalb deutschland spielen läßt, und wie jetzt seine ganze misérable Politik dahin gerichtet sey, den könig von Preußen von jeder freysinnigen richtung zurückzuhalten, um auch ihm die Popu- larität nicht zu theile werden zu lassen, welche er selbst zu klein sey, für oester reich zu erwerben. [helgoland] 11. August Am 14. hoffe ich, wenn das Wetter gut ist, abfahren zu können. ich werde da 24–25 seebäder gebraucht haben. seit ein paar tagen ist das Wetter wieder stürmisch und kalt und daher die Bäder vortrefflich. Während der großen hitze waren sie manchmal wie Wannenbäder. eigentlich gehe ich recht gerne von hier weg, denn das hiesige leben ist doch gar zu monoton und ohne alle comforts, aber dennoch thut es mir leid die gesellschaft zu verlassen, in der ich hier sehr angenehm lebte. diese waren Prinz Albert, major v. mangold, kufsteins, Bernstorffs, Brauchitsch, Wallwitz, erdmannsdorf, Alvensleben, Weyrach. Besonders angenehm war mir Gräfinn Bernstorf, Kufstein weniger, seit der mir ohnehin fatale Hübner da ist, welcher sich auf ihren courmacher spielt. Prinz Albert, der ihn auch nicht leiden kann, brachte mich oft mit seinen Confidencen in Verlegenheit, die er mir vor allen leuten mit halblauter stimme über ihn, kufsteins etc. machte. Wir waren übrigens beynahe alle nachmittage zusammen, indem
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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