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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 610 -
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Tagebücher610 wir bald längere Wasserfahrten, bald Promenaden im oberlande machten, bey Peter franz alle zusammen unsern thee tranken etc. doblhoff ist weg. für mich ein großer verlust, er wird vor mir in Wien seyn und dort für mich materialien zu meinem Werke praepariren, ich habe ihm die skizze desselben, mit der ich nun beynahe fertig bin, vorgelegen [sic] und seine Bemerkungen benützt, besonders hat er mir zugeredet, die Brief- form zu verlassen und es geradezu als den 2. theil von österreichs Zukunft heraus zu geben. der gedanke leuchtet mir ein. Besonders über landstän- dische verhältnisse wird er mir vielen stoff mittheilen. überhaupt bin ich sehr froh seine Bekanntschaft gemacht zu haben, und hoffe, sie in Wien ganz gehörig weiter exploitiren zu können, besonders um mich mit den gleich- gesinnten und zwar aller stände (mit denen er in enger verbindung steht) bekannt zu machen. nur so kann ich Wurzel fassen. Auch das rindvieh todesco ist weg in kleinmüthiger verzagtheit über die erste krisis in seiner Badekur, er hat mich eingeladen, in Wien sein haus zu besuchen, was ich zu thun gedenke, erstlich der schönen frau wegen, und dann weil, wie doblhoff mir sagte, es wirklich angenehm und interessant seyn soll. über mir wohnen nun seine beyden schwägerinnen, mad. cohen aus Paris und mad. Bornemann aus hamburg, beyde geborene gumpel oder gumpelino, wie h. heine den vater nennt.1 meine Absicht ist, 1–2 tage in hamburg zu bleiben und dann, wenn das Wetter gut ist, zur see nach kopenhagen und stettin zu gehen. Jedenfalls will ich gegen den 25. in Berlin seyn, und Anfangs september bin ich zu hause und fange zu arbeiten an, finde ich dort meine Angelegenheiten, über die ich gar nichts weiß, der entscheidung nahe, so gehe ich noch auf 4 Wo- chen aufs land, nach ischel, steyermark etc. Aus Wien ist neulich morzin hier angekommen. man spricht heute davon, daß halb neapel am 29. vorigen monats durch ein erdbeben zu grunde gegangen seyn soll,2 wird wohl eine Börsen- geschichte seyn. heine ist am 1. dieses monats in der schweiz gestorben, wer wird jemals wieder so schreiben wie er?3 Was hätte aus dem manne alles werden können. schade um ihn. das war auch ein opfer seiner Zeit, la lame a usè le fourreau. der siebenbürgische landtag ist auf den 9. september berufen, ein Zei- chen, daß Josika endlich über die clique rosenfeld, hartig etc. im staats- 1 vorbild für heinrich heines figur (in den Bädern von lucca) des christian gumpel, der sich in italien marchese christoforo di gumpelino nennen lässt, war der hamburger Ban- kier lazarus gumpel. 2 für den raum neapel ist 1846 weder ein stärkeres erdbeben noch ein größerer Ausbruch des vesuv dokumentiert. 3 hierbei handelte es sich um eine falschinformation, vgl. eintrag v. 15.8.1846.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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