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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 611 -
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61115. August 1846 rathe gesiegt hat. ich wünsche nur, daß Bethlen nicht zum landtage gehe, denn ich brauche ihn in Wien. gervay ist in carlsbad gestorben. schade um ihn, ein intriganter mann auf seinem Posten könnte viel unheil stiften. hamburg 15. August der Abschied von helgoland wurde mir wider erwarten beynahe schwer, man gewöhnt solch ein ruhiges und doch eigenthümliches leben schneller als man glauben sollte. Auch die herrlichen seebäder gehen mir sehr ab. ich hatte am vorletzten Abende noch eine schach soirée beym gouver- neur, wo mich die herzoginn von coethen mit ihrem dareinsprechen wie- der zur verzweiflung brachte. Am letzten tage aß ich mit Bernstorffs, einer schönen frau v. uckermann aus dresden etc. bey mohr an der table d’hôte. nach tische lernte ich da den grafen reventlow von Preetz aus holstein kennen,1 welcher eben von dem landtage in itzehoe kommt, wo er eine her- vorragende rolle gespielt hat. er sprach sehr freymüthig und vernünftig über die dortigen ereignisse. das freywillige Auseinandergehen des land- tages hat die regierung sehr bestürzt, sie war auf Alles gefaßt, nur nicht auf dieses, nun hat sie die stellvertreter einberufen, die aber wahrscheinlich nicht kommen werden. der könig soll so übel berichtet gewesen seyn, daß er eher eine dankadresse als diesen sturm auf seinen offenen Brief erwartete. ein anderer reventlow, dänischer gesandter in Berlin, hat seine entlassung genommen. Was mir überhaupt auffiel, war die offene entschiedene sprache Berns- torffs und der andern preußischen, hannöverschen etc. Beamten gegenüber der lächerlichen ängstlichen furcht kufsteins, der freylich un pauvre sire ist, vor allem und jedem politischen gespräche, welches hier nun einmahl (und gott sey dafür gepriesen) nicht zu vermeiden ist. daß auch hübner bey derley gelegenheiten ein ministerielles ablehnendes gesicht schneidet, ist bey solch einem staatskanzleyinsekte natürlich. Wer mir aber hier sowie überhaupt am Besten gefiel, war Prinz Albert, der eher zuviel als zu wenig freymuth, energie, und politischen sinn hat. dieses Zuviel wird sich mit den Jahren ohnehin ausgleichen. Aber soviel ist gewiß, daß sachsen sich auf diesen könig freuen kann. gestern früh also um 7 fuhr ich wieder auf dem koning Willem 2. ab. man hat diesem (Bremer) dampfboote in hamburg einen schändlichen krieg gemacht ad illustrationem der deutschen einheit. man bezweifelte seine tüchtigkeit (da es doch anerkannt das beste, ja das einzige für die hohe see 1 gemeint ist graf friedrich v. reventlou, seit 1836 Propst des Adelsklosters in Preetz und führendes mitglied der holsteinischen opposition, 1848 mitglied der provisorischen regie- rung und 1849–1851 statthalter von schleswig-holstein.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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