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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher616 gen etc. ohnehin keine rede. kurz von großartigkeit ist keine rede, und an freundlichkeit wird copenhagen von jeder norddeutschen stadt weit übertroffen. dazu die häßlichen lichtblonden gesichter und diese dumme sprache, welche eigentlich gar keine sprache, sondern ein schlechter Jar- gon ist, mit eben dem rechte könnte der Wiener fiaker verlangen, daß man ihm zu liebe sein kauderwelsch erlerne. eines aber ist hier superbe, und das ist die frauenkirche. schon der Bau- styl (sie ist erst vor 10–12 Jahren fertig geworden) ist sehr schön, einfach mit einer colonnade inwendig und ein griechisches Portal von Außen, dar- über eine magnifique Arbeit von Thorwaldsen: Johannes der Täufer pre- digend mit vielen gruppen. in der kirche selbst sind die berühmten 12 Apostel (Paulus statt ischarioth) von ihm so wie der taufengel und chri- stus, luther und melanchthon sollen noch kommen, das modell ist noch von thorwaldsen gemacht. Paulus, thomas, vor Allem aber der taufengel sind vielleicht die schönsten statuen, die ich je gesehen. Auch sein sarg ist einstweilen hier, bis sein museum fertig wird.1 dieses museum, noch in der Arbeit, sah ich heute, es ist ein geschmack- loses Zeug, wo aber thorwaldsens modelle stehen werden. die Bildergal- lerie in christiansborg ist mittelmäßig, das museum nordischer Alterthü- mer ebenda interessirte mich nicht. gestern nachmittags stiefelte ich mit meinem lohnbedienten nach dem eine halbe meile vor der stadt gelegenen fredriksborg, dem sommeraufenthalte der verwittweten königinn,2 es ist ein sehr schöner Weg zwischen einer reihe von sommerhäusern, Belusti- gungsörtern, Wirthshäusern etc., alle sehr nett und niedlich gebaut. der schloßpark ist superb, wieder dieselbe herrliche vegetation, die mir in kiel so sehr gefiel. Man hat von einem Punkte des Gartens eine sehr schöne Aus- sicht über kopenhagen und die see. doch überraschte uns da ein gewitter, welches wir abwarten mußten. dann fuhr ich in einer droschke nach tivoli, welches wirklich der grandioseste unterhaltungsort in seiner Art ist. Auf dem dampfschiffe war ich ohne ihn wieder zu erkennen mit valen- tin esterhazy gefahren, und auch später hätte ich es nicht erfahren, wenn mich die nachforschungen nach meinem mackintosh nicht ins hôtel royal geführt hätten, wo ich seinen nahmen auf der fremdentafel las. ich suchte ihn jedoch gestern zweymal vergeblich auf und fand ihn erst heute morgens bey der toilette, es freute mich sehr, ihn, den ich seit 1834!!! nicht gese- 1 der am 24.3.1844 verstorbene Bildhauer Bertel (Alberto) thorwaldsen hatte seinen künst- lerischen nachlass samt einer großen geldsumme zur errichtung eines museums der stadt kopenhagen vermacht. 2 marie, geb. Prinzessin v. hessen-kassel, die Witwe des 1839 verstorbenen könig frederik vi. von dänemark.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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