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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 624 -
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Tagebücher624 und um diese Zeit hereinzubringen, fuhr man an den zum essen bestimmten stationen so rasch vorüber, daß ich buchstäblich keinen Bissen zu mir neh- men konnte, so daß ich endlich müde und matt, gelangweilt und von hitze, staub und hunger geplagt um 1/2 10 Abends in Breslau ankam. von der fahrt und gegend ist nicht viel zu sagen, als daß bey Bunzlau ein superber viaduct 1550 fuß lang und ganz von sandstein über das schöne Boberthal führt. in Breslau schrieb ich noch einen kurzen Brief an kuranda, um mich bey ihm zu entschuldigen. man kann mit diesen leuten nicht aufmerksam genug seyn. heute früh 1/2 7 fuhr ich per eisenbahn weiter, über Brieg, ohlau, oppeln nach cosel,1 zwischen diesen beyden stationen platzte der kessel einer loco- motive, was wieder eine stunde aufhielt. von cosel geht die Wilhelmsbahn nach ratibor, wo ich nach 1 uhr ankam, eine halbe stunde darauf fuhr ich mit einem fiaker in der entsetzlichsten hitze nach troppau, wo ich um 1/2 5 ankam. Paß und mauth waren sehr schnell abgethan. hier dachte ich mich auszuschlafen und morgen früh nach leipnik zu fahren, um da die eisen- bahn zu nehmen. doch soll der Weg dahin so schlecht und die entfernung so groß seyn, daß ich mich nach langem hin- und herlaufen entschloß, um 10 uhr Abends wieder mit einem fiaker nach olmütz zu fahren, wo ich morgen zwischen 9 und 10 uhr anzukommen hoffe. von dort aus bin ich dann ganz gewiß des Abends zu hause. Aus dem gastzimmer, wo ich etwas aß, haben mich ein paar politisirende handlungsreisende vertrieben, und so sitze ich hier und schreibe. Wien 7. september kaum hier angekommen, befinde ich mich schon mitten in den geschäften und der Politik, um so besser, je mehr thätigkeit, desto wohler ist mir. der Artikel in den grenzboten hat enormes Aufsehen gemacht, doch hat mir directe noch niemand davon gesprochen, um so mehr aber meinen schwe- stern, verwandten, guten freunden etc. Am tage nach meiner Ankunft ging ich mit franz troyer am kohlmarkte spatzieren und begegnete sedlnitzky. troyer sprach ihn wahrscheinlich zu seinem großen verdruße an, denn er wich mir mit einer Ängstlichkeit aus, die mich sehr amusirte. mit doblhoff habe ich mich besprochen, er versichert mich, daß kuranda meine Autorschaft bereits wußte – wie? das weiß gott. übrigens ist er sehr zufrieden mit den resultaten seiner reise und hofft, sowohl schuselka als kuranda (den ich für ungleich gescheidter halte als jenen) auf bessere ge- danken gebracht und ihre Abneigung gegen unsere landstände überwunden zu haben. doblhoff hat mir zudem eine menge materialien zu meiner Arbeit 1 es müsste heißen über ohlau, Brieg, oppeln nach kosel.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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