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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 625 -
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6257. September 1846 vorbereitet und will diese vor seiner Abreise nach grätz zu der versamm- lung der deutschen landwirthe (am 14. dieses monats) vervollständigen. Bethlen kam neulich von vöslau, wo er wohnt, herein, um mich zu sehen, und gestern wurde ich stafettaliter zu ihm hinaus zitirt, um bey ihm eine entrevue mit louis Batthyany zu haben. die ungarische opposition will nämlich der aggressiven Politik der regierung gegenüber auch ihrerseits die größte thätigkeit entfalten und namentlich an das forum der öffentlichen meinung durch Brochuren, Zeitungsartikel,und eine eigene periodische re- vue appelliren, um sich gegen das systematische verläumden von seiten der regierung zu vertheidigen. in ungarn ist dieß nicht möglich, und so soll es denn in deutschland geschehen, und ich soll es vermitteln etc. ich habe aber keine positive Zusicherung gegeben, weil ich meine freyheit zu behalten, vor Allem aber mich nicht in eine allzu weit getriebene opposition hineinziehen lassen will. daher will ich Brochuren etc. erst sehen, lesen, und dann erst handeln. ich habe über diesen gegenstand sowie überhaupt über die neue- sten ungarischen verhältnisse, seit ich hier bin, 2 mémoiren erhalten, unter Andern ein sehr gut geschriebenes von niki szapary. louis Batthyany aber schien mir ein ganz durch und durch gescheidter mensch mit sehr viel red- ner gabe, viel kopf und gar kein herz. heute habe ich an meinem 2. theile zu arbeiten begonnen. mit hülfe des bereits in helgoland ausgearbeiteten canevas und der doblhoff’schen mate- rialien hoffe ich, wird es rasch von statten gehen und etwas tüchtiges wer- den. die kunde meiner Autorschaft verbreitet sich wie ein lauffeuer, und es wird schon in den Wirthshäusern davon gesprochen. vedremo cosa ne ri- sulterà, ich erwarte es mit großer ruhe. gabrielle und flore aber, welche darüber angeredet wurden, mußte ich mit vieler mühe beruhigen, denn sie sahen schon den galgen oder munkács1 für mich in Bereitschaft. mit gabri- elle machte ich noch am Abende vor ihrer Abreise, sie ist nähmlich gestern früh mit erzherzogin hildegarde nach Berchtesgaden, zu diesem ende eine lange Promenade in den Prater. doch habe ich an kolb geschrieben, um mir die einrückung des Artikels in die Allgemeine Zeitung zu verbitten, denn ich wünsche doch nicht, der nächsten besten dummen stiftsdame als plastron ihres wohlfeilen Patriotismus zu dienen. heute habe ich die Baroninn hruschowsky besucht, die schon lange hier ist, und lange mit ihr über mailand etc. geplaudert. meine dienstesangelegenheit ist halb entschieden, d.h. inzaghys vortrag hinsichtlich meines gesuches vom Jahre 1844 ist im sinne seines Antrages, d.h. ohne Ja noch nein, also de facto ablehnend, herabgelangt, das spätere 1 im nordostungarischen munkács befand sich ein berüchtigtes staatsgefängnis.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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