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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 630 -
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Tagebücher630 cuccolis, die ich tages zuvor hier im Bahnhofe getroffen hatte, besuchte ich an jenem tage. ich war in dieser Woche ein paarmale in vöslau, wo Bethlen mich bey ca- roline karoly aufführte, es ist eine geistvolle verzogene junge frau, den kopf voll Politik, die mich also ganz so empfing wie Walter fürst den stauffacher am rütli. doch geht sie und mit ihr emerich Bethlen morgen fort. dieser hat mich hier einigemale besucht, ich glaube, zwischen ihr und ihm besteht ein verhältniß, wenigstens hat sein inneres eine große veränderung erfahren, er ist voll politischer Pläne, voll rührigkeit und voll von einer gewissen in- nern heiterkeit und äußern eleganz, kurz das gerade gegentheil von früher. Jedoch ist seine natur so impressionable, daß dieß auch ohne liebe erklär- lich wäre. doblhoff hat mir meine Papiere zurückgebracht mit Bemerkungen, Zusät- zen und documenten, ich arbeite ziemlich rasch und hoffe, bis mitte oktober fertig zu seyn. neulich war ich bey ihm und fand dort Pillersdorff, mit dem wir eine Promenade machten. die langweilige Baroninn sitzt fest in meiner Wohnung. heute bey tische machte sie sogar eine Anspielung, ob sie nicht bis 20. bleiben könnte, ich aber machte la sourde oreille, und so bleibt es wohl vor der hand dabey, daß sie am 7. oder 8. auszieht. die tochter des großfürsten michael ist in Wien sterbend an der lungensucht,1 an eine Abreise also ist nicht zu denken. Prinz von Preußen und die übrigen Bundesgeneräle sind hier und inspiciren nach leibeskräf- ten. morgen aber hat Alles sein ende. [Baden] 5. oktober ich habe die erste hälfte meiner Arbeit (eingang und Abschnitt über die landstände) umgearbeitet, hie und da vermehrt und sie gestern doblhoff gegeben, der sie abschreiben läßt. gleichzeitig arbeite ich weiter fort und hoffe, in 10–12 tagen doch mit dem ganzen fertig zu seyn. Jedoch werde ich dann erst es (mit Ausnahme dessen, was beym Abschreiben ist und so ziem- lich die letzte vollendung erhalten hat) überarbeiten müssen, so daß mir die Zeit doch knapp werden wird, wenn es, wie ich campe versprach, bis ende dieses monats vollendet seyn soll. Auch mein in helgoland ausgearbeiteter leitfaden wird, so wie ich gegen das ende der schrift komme, immer un- vollständiger, so daß ich nun mehr aus dem kopfe heraus arbeiten muß als früher. Auch wegen der urkunden etc., welche im Anhange erscheinen und das Buch über 20 Bogen bringen, also der scheere der hamburger Zensoren entziehen sollen, bin ich noch nicht ganz im reinen. 1 großfürstin maria michailovna starb am 19.11.1846 in Wien.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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