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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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6315. Oktober 1846 vorgestern war ich in hetzendorf, um flore zu besuchen, und gestern in schönbrunn bey erzherzog ludwig, es war nothwendig, hier einmal zu ei- nem schlusse zu kommen. daher ging ich zu ihm, sagte ihm, wie meine sa- chen ständen, und erinnerte ihn, wie er mich abgehalten habe, im may zu quittiren, ich wäre nun wieder dort, wo ich damals gewesen und könne jetzt um nichts mehr bitten als um meine entlassung, ausgenommen er selbst verspreche mir, mich in eine andere passendere stellung zu versetzen, denn eine abermalige fehlbitte oder selbst eine Bitte ohne die sicherheit der ge- währung könne und wolle ich nicht mehr thun. Zugleich bemerkte ich ihm, daß ich jetzt auf keinen fall von Wien weg wollte. er sagte mir, ich sollte in einiger Zeit wieder zu ihm kommen, da würde er mir sagen, was ich zu thun habe. darauf fing ich an: schließlich muß ich euer kaiserlichen hoheit noch um etwas bitten, man wird ihnen in der nächsten Zeit ganz sonderbare Be- griffe über mich beyzubringen suchen. darauf kann ich nur eines erwiedern, daß euer kaiserliche hoheit die überzeugung fest halten möchten, daß ich mit leib und seele ein oesterreicher und bis in die fingerspitzen ein cava- lier bin. Dann kann ich ruhig seyn. das überraschte ihn, und er stellte mir fragen, die ich aber ausweichend beantwortete, aus denen ich aber sah, daß er von der ganzen sache noch nichts weiß, daher mein speech vielleicht bes- ser unterblieben wäre. später sah ich louise Praschma, die vor ein paar tagen mit der kaise- rinn von Berchtesgaden zurückkam, sie sieht prächtig aus und nahm mich in ihrer Art ins verhör über die „große neuigkeit“, die selbst in die Alpen gedrungen. Auch gabrielle ist zurück, doch sah ich sie noch nicht, ich hoffte, sie würde noch in die Weilburg kommen, es scheint aber nicht. doblhoff ist ein Wüthender gegen mich, wenn der zu schreiben anfängt, so ist es nichts als Blut und höllendampf, ich aber stelle mich mit fleiß über die Parteyen, während er ein wüthender landständler ist. mit fritz deym, der übrigens ein alter Bekannter von mir ist, sind die Anknüpfungspunkte in politicis bereits eingeleitet. egbert Belcredi richte ich mir als Agitator und Berichterstatter ab (er soll nächstens herkommen und wird mir manches in- teressante aus mähren bringen), und so hoffe ich, nach und nach die fäden unserer wichtigsten ständeversammlungen in meine hände zu bekommen. die ungarische opposition steht ohnehin bereits in einer Art von offiziellem verhältniß zu mir. schön wäre es, so ein unterirdischer gegenkönig zu wer- den und insgeheim die karten zu mischen. doch dazu gehört Zeit und ein sehr reiflich überdachtes Benehmen. Wenn ich für oesterreich das werden kann, was steffi szechenyi für ungarn gewesen ist, so sind alle meine Wün- sche erfüllt. Aber er stand in ungleich günstigeren verhältnissen als ich. vor Allem kommt es darauf an, daß ich gleich Anfangs mit selbstgefühl und ent- schiedenheit auftrete und mir le haut du pavé nicht abgewinnen lasse. Aber
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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