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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 632 -
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Tagebücher632 auch andere müssen dazu helfen. Wird es den leuten zehnmal gesagt, daß ich ihr chef de parti bin, so glauben sie es dann von selbst. vedremo. es ist jetzt meistens sehr schön und sehr warm, aber auch sehr leer. tö- rök, den ich zuletzt oft sah, ist fort, ebenso Bethlen und caroline karoly aus vöslau. meine gesundheit und meine kräfte nehmen zu, meine kleinen lei- den sind, einige gichtschmerzen ausgenommen, verschwunden. heute war ich mit csáky in der krainerhütte und mußte ihm da bey seiner flamme, frau v. Zimmermann, einer dicken gemeinen schönheit, den elephanten machen. Bey meiner rückkehr von helgoland fand ich in Wien einen Brief von eduard, welcher mich einlud, da sein vater eben bey ihm sey, sie in neu- haus zu besuchen. ich antwortete, daß mir dieses jetzt, da ich eben von einer urlaubsreise käme, leider unmöglich sey. Auf dieses erhielt ich dann heute einen Brief von ihm, worin er und sein vater, der inzwischen abgereist ist, mich feyerlichst engagiren, sie diesen Winter in Ansbach, wo eduard mit den seinigen hingeht, zu besuchen, um den alten 70jährigen onkel noch ein- mal in diesem leben zu sehen. gerne thäte ich es, jetzt könnte ein urlaub kein hinderniß für mich seyn, nachdem ich erklärt habe, kein Bureau mehr zu besuchen und mich als beurlaubt ansehen zu wollen, so lange man mir nicht eine andere stellung gibt. Wie sich aber die dinge im Winter gestal- ten werden, namentlich bey dem gegen neujahr zu erwartenden erscheinen meines 2. theiles, das weiß ich noch nicht, jedenfalls würde ich der einla- dung gerne folgen, um onkel ferdinand, den letzten der vorangegangenen generation unseres geschlechtes, noch vor seinem tode einmahl zu sehen. [Baden] 12. oktober meine Arbeit geht rasch ihrem ende zu. morgen oder übermorgen werde ich damit fertig seyn. dann will ich ein paar tage meinen kopf ausruhen lassen und hierauf mich an die überarbeitung des 2. und 3. Abschnittes (den 1. habe ich bereits heute abgeschrieben zurückbekommen) machen. Beym 2. Abschnitte (über die Preßzustände, überhaupt die intelligenz) denke ich die materialien zu benützen, welche Bauernfeld mir versprochen hat, er wird also um vieles erweitert werden. dann geht es über den 3. Abschnitt (ge- meindewesen). Wegen der letzten Bogen aber bin ich einigermaßen in verle- genheit. es ist beynahe unmöglich, ein Werk über oesterreich zu schreiben, ohne einige lebensfragen, z.B. finanzen, handelsverhältnisse, gerichts- reform etc. zu erwähnen; besonders, da ich es zum Theile im 1. Theile des Buches (vor 5 Jahren) gethan habe. Andererseits aber ist es schwer derley fragen zu berühren, ohne sie vollständig, also weitläufig zu behandeln, was aber das Buch zu voluminös und dessen erscheinen verzögern würde. Auch fürchte ich dadurch der einheit und grundidee des Buches zu schaden, wel-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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