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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 635 -
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63522. Oktober 1846 war!1) erst an. indessen ist das standrecht in ganz galizien publicirt, ein Beweis für die ruhe, von der man bisher so viel sprach. das resultat dieser committees etc. wird wohl auch wieder ein halbes nichtsnützes Zeug seyn. franz stadion aber ist mit einer Personalzulage von 4000 fl wieder nach triest zurückgekehrt. dieses, nämlich die Zulage, ist mir, wie ich ihn kenne, bey der ganzen geschichte das unbegreiflichste. Wien 22. oktober heute geht die erste lieferung (eingang und ständewesen) nach hamburg ab sammt meinen instructionen für den setzer und korrector. ich habe noch, nachdem die Abschrift bereits gemacht war, mehrere Zusätze und Än- derungen gemacht und namentlich die materialien benützt, welche mir eg- bert Belcredi hinsichtlich Böhmens und mährens hieher gebracht hat. ihn selbst habe ich leider nicht gesehen, weil er nur auf 1 oder 2 tage nach Wien kam, und ich damals noch in Baden saß. nun erwarte ich fritz deym, wel- cher mir Manches über Böhmen bringen soll; auch möchte ich sehr gerne einen von ihm gehaltenen vortrag wenigstens theilweise abdrucken lassen, bedarf aber dazu seiner Bewilligung. übrigens mache ich mich jetzt an den 2. theil, nämlich an das Preßwesen. Bey dem so eben beendigten landtage in Prag soll salm wieder ein ent- setzliches fiasco gemacht und namentlich dadurch, daß er einmahl fritz deym am sprechen hindern wollte, einen wahren sturm erregt haben, tempêtes dans un verre d’eau, eigentlich verdienen es die leute doch nicht, daß man für sie lanzen bricht, und deßwegen thue ich es auch in einer Weise, welche sie gewaltsam und wider ihren Willen in die Bahn stößt, die sie einschlagen müssen, man muß sie als Werkzeuge, als mauernbrecher be- handeln, anders geht es nicht. die hauptneuigkeit ist die erkrankung des Palatin, dessen tod man täg- lich erwartet. sein Posten wird schwer zu ersetzen seyn. neulich ist der neue Brunnen auf der freyung enthüllt worden, ein herrli- ches Werk von schwanthaler, welches allgemeine Bewunderung erregt, wie ganz anders als jenes jämmerliche machwerk von marchesi.2 Am 14. war die letzte theatervorstellung in Baden, und tags darauf kam ich nach Wien, nachdem ich noch vorher eine sehr schöne Promenade auf die ruine scherfeneck und zwar in gesellschaft einer hübschen frau, die ich 1 Zur entsendung von graf rudolf stadion, gouverneur in Brünn, als außerordentlicher hof- kommissär nach galizien vgl. eintrag v. 20.7.1846. 2 ludwig schwanthaler schuf den Austriabrunnen auf der freyung, von Pompeo marchese stammt das Denkmal Kaiser Franz’ in der Burg; vgl. Andrians negatives Urteil bereits anlässlich der enthüllung am 16.6.1846, eintrag v. 26.6.1846.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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