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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 638 -
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Tagebücher638 brauche, und besonders jetzt, die unterstützung der auswärtigen deutschen Publizistik und namentlich eines mannes wie kuranda. mit meiner gesundheit geht es nicht am besten, mein husten will sich nicht verlieren und ebensowenig meine gichtschmerzen, ich sollte Anfangs russische Bäder1 brauchen, mußte es aber so wie meine kalten Waschungen einstweilen aufgeben, weil mein Zustand immer ärger wurde. dabey ist es seit einigen tagen entsetzlich kalt, wiewohl schön. der Winter ist plötzlich herangekomen, und seit heute wird bey mir eingeheizt. neulich war ich bey erzherzog ludwig, der mich ungleich kälter empfing als vor 4 Wochen in schönbrunn (er weiß um meine angebliche Autorschaft, ladislaus reischach hat es ihm, wie er mir sagte, selbst erzählt) und mir nichts als seine abgedroschenen Phrasen sagte. ich versicherte ihm, daß ich nun, da leo thun, mein hintermann, avancirt sey, unmöglich mehr einen fuß ins Bureau setzen könne. nun will ich noch mit graf hartig darüber sprechen, und wenn da auch nichts herauskömmt, so gebe ich in gottes nah- men jeden weiteren schritt auf, betrachte mich als unbestimmt beurlaubt und warte ruhig ab, was dann geschieht. ohnehin kömmt um neujahr die Bombe dazwischen, welche die sache eigentlich erst zur entscheidung brin- gen dürfte.2 vielleicht weiche ich dem ersten choc aus und gehe um diese Zeit auf 4 bis 6 Wochen nach Ansbach; ich spreche daher schon jetzt mit aller Welt von dieser reise, damit sie niemandem auffalle. die hunde in Böhmen haben ihr großmüthiges votum vom vorigen land- tage (die differenz der grundbesteuerung zwischen dominicalbesitz und un- terthänigem grunde auf sich nehmen zu wollen) so quasi zurückgenommen, indem sie erklärten, dieses votum solle nur auf ein Jahr gelten.3 Zum glücke kann ein verbindender Beschluß erst am Postulatenlandtage (frühjahr 1847) gefaßt werden, und bis dahin werden die Bestien hoffentlich zur Besinnung kommen. diese selbstmörderischen, kurzsichtigen elenden canaillen. der Palatinus soll für den Augenblick außer gefahr seyn. louis Bat th y- any war hier und bey mir, überhaupt scheint die ungarische opposition eine 1 eine spezielle form des dampfbads, wobei der dampf nicht im raum selbst erzeugt, son- dern von außen zugeführt wird. 2 gemeint ist das erscheinen des zweiten teils von oesterreich und dessen Zukunft. 3 Am 25.5.1846 hatte die böhmische ständeversammlung die grundsteuerlast der untertä- nigen Bauern um 350.000 gulden vermindert und dafür die steuerleistung des dominikal- landes um diese summe erhöht. dieser Beschluss wurde entgegen der verbreiteten mei- nung vom kaiser genehmigt. darauf wurde bei der versammlung zum landtagsschluss Anfang oktober ein Antrag eingebracht, der diese neuaufteilung der grundsteuer aus- drücklich nur für 1847 geltend und als „ein großmüthiges geschenk der grundherrschaf- ten“ erklärte. dieser Antrag fand zwar keine mehrheit, er wurde aber als verwahrung der minorität ins landtagsprotokoll aufgenommen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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