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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher640 chen haben. rudolph stadion dagegen erzählt allen leuten (er muß es von graf kolowrat haben, denn dieser sagt dasselbe), daß er positiv wisse, daß ich der verfasser nicht sey. nun freylich sagen dann Andere (z.B. Josephine Wallis etc.), ich habe das gleich gedacht: c’est beaucoup trop sérieux pour lui. Anderseits erzählt man noch immer, ja sogar bey der hofkanzley (wohin ich übrigens meinen fuß nicht gesetzt habe), die schönsten geschichten von meiner entlassung. rudolph stadion ist nun seit 2 monaten hier und wartet auf die erledi- gung seiner Anträge1 – o schlendrian! – neulich war ich ein paar stunden lang bey ihm, und er erzählte mir von galizien und von seinen Plänen. es ist nicht zu läugnen, daß er viel geist hat, aber seine indifferenz und sein leichtsinn hindern ihn, die sachen sich ernstlich zu herzen zu nehmen und in seinen Plänen und gedanken weiter zu gehen, als gerade seine unmittel- bare Aufgabe ist. [Wien] 15. november die große neuigkeit ist seit einigen tagen die incorporirung krakaus in die österreichische monarchie. morgen wird deym (der Prager stadthaupt- mann) als kaiserlicher commissär Besitz nehmen, und morgen soll auch das betreffende manifest in der Wiener Zeitung erscheinen.2 die Papiere fallen entsetzlich, auf der Börse wurde die sache zuerst bekannt. die öffentliche stimme ist entschieden gegen diese himmelschreyende rechtsverletzung, ich habe sie noch von niemand vertheidigen hören, nur fürst metternich findet es ehrenwert und durch ein paar Phrasen: foyer de troubles etc., hin- reichend gerechtfertigt. rußland hat uns in unserer hasenfüßerey dazu ge- zwungen, indem es erklärte, sonst krakau selbst in Besitz zu nehmen. die ganze diplomatie ist indignirt, und von Palmerston und guizot und in den englischen und französichen kammern werden wir schöne sachen hören müssen. der alte schafskopf hat den schwachen rest von verstand verloren und agitirt sich wegen der schweizer geschichten auf eine lächerliche Weise, kurz die dummheit nimmt allenthalben überhand. in ein paar tagen hoffe ich mit meinen Arbeiten zu ende zu seyn, am 19. oder längstens am 21. geht die dritte und letzte sendung ab. die erste war bereits am 5. abgesetzt. 1 Zur entsendung von graf rudolf stadion, gouverneur in Brünn, als außerordentlicher hof- kommissär nach galizien vgl. eintrag v. 20.7.1846. 2 der unter dem schutz der großmächte österreich, Preußen und russland stehende frei- staat krakau, das Zentrum des polnischen Aufstands von 1846, wurde am 16.11.1846 an- nektiert, die kaiserliche Proklamation war mit 11.11.1846 datiert. sie erschien erst am 19.11.1846 in der Wiener Zeitung.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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