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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 642 -
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Tagebücher642 ich lese jetzt ein Buch von eötvös: die reform in ungarn,1 voll verstand und Wahrheit, er ist ein mann der opposition, aber mit centralisationstheo- rieen, daher ein feind der comitate, und folglich mit dem größten theile der übrigen opposition zerfallen. [Wien] 24. november ich bin nun mit meiner Arbeit zu ende, am 19. ging ein theil derselben und am 21. die letzten Blätter ab. diese letztern kosteten mich viel mühe, weil ich sie fast ganz aus dem rohen heraus arbeiten mußte, und sich dieselben überhaupt mehr in Allgemeinheiten bewegten, nämlich über ungarische und auswärtige Angelegenheiten, endlich die schlußkanonade. den Artikel über ungarn las ich Bethlen vor, der ganz entzückt davon war, ich habe den un- garn darin und namentlich der opposition vielen Weihrauch gestreut, denn diese brauche ich vorzüglich, um von dort aus auf unsere länder und auf unsere regierung zu wirken. ich hoffe nämlich es zu bewirken, daß beym nächsten landtage (1847) förmliche Anträge auf eine Wiederherstellung der verfassungsmäßigen rechte in den erbstaaten gestellt werden, was, wenn auch keinen unmittelbaren erfolg, doch einen ungeheuern Anklang hier- lands finden und die so nothwendige sympathie zwischen ungarn und uns befestigen wird. der Artikel über die auswärtige Politik ist, fürchte ich, der schwächste theil des Buches, da ich mit der Zeit zu gedrängt war. im schlußartikel nehme ich Besitz von der Wortführerschaft der reformparthey in oester- reich und sage, daß ihr unsere nahe Zukunft angehöre. die großfürstinn maria ist gestorben. ihr leichnam wurde feyerlichst in die russische Bothschaftskapelle überbracht und soll diese tage nach ruß- land abgehen. der großfürst michael, welcher vor schmerz halb rasend war, geht heute ab, die damen aber bleiben noch hier. die übernahme von krakau ist am 16. feyerlich vollzogen worden. die Wiener Zeitung brachte bald darauf die Proklamation des fml castiglione und das kaiserliche manifest,2 und seitdem hat der Beobachter ein paar rai- sonnirende Artikel darüber gegeben.3 um der Wahrheit gewalt anzuthun, wird darin vorausgesetzt, daß krakau eigentlich kein unabhängiger von al- len mächten im Wienerkongresse garantirter staat war, sondern ein bloßes freyes municipium unter der schutzherrlichkeit der drey mächte. Alles ist 1 Josef eötvös, die reform in ungarn (leipzig 1846). 2 Beide dokumente zur Annexion krakaus erschienen in der Wiener Zeitung v. 19.11.1846. 3 Der Österreichische Beobachter war die offiziöse Zeitung der Staatskanzlei. Siehe vor al- lem den leitartikel vom 20.11.1846, 1281–1283, der „nähere Aufschlüsse über die dieser maaßregel vorausgehenden geschichtlichen verhältnisse und völkerrechtlichen erwägun- gen“ bot.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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