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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 643 -
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64324. November 1846 auf den sturm gespannt, welcher sich nun von frankreich und england her erheben wird, freylich, da es ein fait accompli ist, ohne großes resultat, ge- stern sprach man von einer Protestation frankreichs. Auch die heirath des herzogs de Bordeaux mit der erzherzoginn von mo- dena hat Aufsehen gemacht, ist aber von der französischen regierung ganz gescheid und mit vieler mäßigung aufgenommen worden, übrigens ist es buchstäblich wahr, daß sie ganz allein durch die Betheiligten und erzherzog max negoziirt wurde, und daß der kaiser und die ganze kaiserliche familie es erst als eine vollendete thatsache erfuhren,1 unsern guten kaiser respec- tirt niemand mehr, nicht einmal die eigenen verwandten, und das nennt man eine absolute monarchie. kübeck hat in den letzten tagen, um der hereinbrechenden geldkri- sis vorzubeugen, eine finanzmaßregel getroffen, welche in einem langen, schlecht geschriebenen offiziellen Artikel in der Wienerzeitung verfochten wurde,2 er hat nämlich aus der Bank 10 millionen zur verfügung gestellt, um im falle eines allzu großen sinkens der eisenbahn- und sonstigen Actien um einen billigen Preis (nach 4 percent ertrag) einkäufe zu machen. darauf sind nun die Papiere allerdings um 5–6 percent gestiegen, und insoferne, als schreckschuß für die baissiers, dürfte diese maßregel ihre Wirkung haben. überhaupt ist die finanznoth jetzt sehr groß, der geldmarkt ist wie in ganz europa in der furchtbarsten verlegenheit, ein Anleihen ist vor der thüre, kann aber unter diesen Umständen nicht zusammengebracht werden; einst- weilen hilft sich kübeck mit kassenanweisungen, und die Bauten auf den staatseisenbahnen sollen eingeschränkt werden, die theuerung nimmt im- mer zu, kurz die Aspekten sind schlecht. im Burgtheater gibt es seit 8 tagen ein 2aktiges lustspiel: großjährig, von Bauernfeld, eine offene Persiflage unserer Zustände und unserer Bu- reaukratie, es ist ein helles Wunder, daß dieses stück zugelassen wurde, denn es ist kaum möglich, unter 4 Augen freyer heraus zu reden, als es da auf der scene geschieht, mich hat es sehr amusirt. vorgestern war die kathreinenredoute, recht hübsch, eine maske, die sich mir dann auch zu erkennen gab, warnte mich vor polizeilichen kniffen und nannte mir 2 frauen im dienste der geheimen Polizey, welche den Auftrag 1 erzherzogin maria theresia, die schwester von herzog franz v. von modena, heiratate am 16.11.1846 den bourbonischen thronprätendenten henri graf v. chambord herzog v. Bor- deaux. sie war eine nichte und universalerbin des hoch-und deutschmeisters erzherzog maximilian Josef. 2 Wiener Zeitung v. 20.11.1846, 2591. der Artikel schließt damit, dass durch die getroffenen maßnahmen das gestörte vertrauen sicher wiederhergestellt werde. die spekulanten wür- den „an dem gesunden sinne und der Besonnenheit scheitern, welche oesterreichs edle völker in allen stürmen der Zeit siegreich bewiesen haben.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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