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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 646 -
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Tagebücher646 übrigens beschäftigen mich aber jetzt meine Privatgeschäfte auf eine sehr unangenehme Weise, mein Bevollmächtigter in görz, eine wahre schlaf- haube, hat ausgespannt, und nun zieht sich Alles noch mehr, ich war neulich schon beynahe entschlossen, auf ein paar tage hin zu fahren. neulich aß ich mit meinem alten freunde marcel deseöffy, den ich seit 1834 nicht gesehen, es ist ein genialer kerl who outfourierizes fourier him- self. ich lese jetzt eötvös’ dorfnotär, ein superbes Buch,1 wie ich mich über- haupt jetzt mehr als jemals mit ungarn, ungarischer geschichte etc. be- schäftige. list, der nationalökonom, hat sich in einem Anfalle von hypochondrie zu kufstein das leben genommen, es war ohne Zweifel der mann, welcher am meisten für deutschland gethan hat. in der krakauersache haben die franzosen eine große schlappe erlitten. lord Palmerston hat sich geweigert, gemeinschaftlich mit ihnen zu prote- stiren, und eine ziemlich kühle Protestation hierher gesandt. die entente cordiale steht auf schlechtern füßen als jemals, und die hundsföttische Poli- tik des erzjuden louis Philippe in der spanischen heirathssache trägt ihre früchte. übrigens müssen wir jetzt sowohl in englischen als französischen Blättern täglich die für uns demüthigendsten sachen lesen, wie wir uns von rußland dazu haben brauchen lassen, um die kastanien aus dem feuer zu holen etc. etc. die franzosen erklären übrigens, daß sie die Wiener verträge von 1815 hiemit für zerrissen ansehen. trotz des quasi désaveus der heirath des herzogs von Bordeaux begeht man hier die größten inconsequenzen: die regierende kaiserinn machte den neuvermählten kurz nach ihrer Ankunft in frohsdorf den ersten Besuch, und neulich waren sie hier und aßen bey hofe an der familientafel, von wel- cher die Prinzessinn von salerno, schwester des kaisers, weg mußte, weil der herzog von Bordeaux oder eigentlich der duc de lévis erklärte, er könne mit der mutter der herzoginn von nemours nicht an einer tafel essen!!2 überall dummheit und ungeschicklichkeit, im großen wie im kleinen. heute haben wir ein fürchterliches schneegestöber, bisher war ein nasses, weiches novemberwetter seit fast 14 tagen. 1 Die erste deutsche Übersetzung von Josef Eötvös Roman A falu jegyzője (1845) erschien 1846 in leipzig unter dem titel der dorfnotair [sic]. 2 Zur heirat des herogs von Bordeaux vgl. eintrag v. 24.11.1846. erzherzogin maria klemen- tina (eine schwester von kaiser ferdinand) war mit leopold Prinz beider sizilien und sa- lerno verheiratet. ihre tochter maria carolina war die gattin von henri d’orleans herzog v. Aumale, nicht von dessen älterem Bruder, dem herzog von nemours. Beide waren als söhne von könig louis Philippe Anwärter auf den französischen thron. der herzog von lévis als legitimist unterstützte dagegen den Anspruch des herzogs von Bordeaux auf die krone.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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