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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 647 -
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64731. November 1846 [Wien] 31. dezember ich stehe am vorabende meiner Abreise, und dennoch weiß ich von campe noch immer nichts positives, d.h. ich weiß, daß das ganze manuscript in hamburg angekommen ist, aber weder, bis wann das Buch hier eintreffen wird, noch habe ich wegen des honorars irgend eine Antwort, ersteres ist mir besonders unangenehm, weil ich danach meine Abreise, meine rückkehr und selbst meinen Aufenthalt in münchen einrichten muß, ich will nämlich Wien mindestens einige Wochen vor der Ankunft der ersten sendung ver- lassen und solange in münchen bleiben, bis diese erfolgt, um in Augsburg bey kolb gleichzeitig mit dem Buche einzutreffen. das erleichtert mir einen allenfallsigen erfolg bey ihm und sichert mich zugleich vor jedem möglichen verrath, auch will ich circa 4 Wochen nach diesem Zeitpunkte vergehen las- sen, ehe ich hieher zurückkehre. ich habe daher meine Abreise, die auf den 4. kommenden monats bestimmt war, auf den 7. verlegt, um noch die näch- ste mittwochspost abzuwarten, länger aber kann ich nicht zögern und werde also jedenfalls an diesem tage abreisen. im übrigen habe ich meine voran- staltungen getroffen, meine geheimsten Papiere für jeden möglichen fall bey gabrielle verwahrt, meine Briefe an kuranda etc. vorbereitet, Welsch die nöthigen instruktionen gegeben, ebenso Bethlen wegen Pulsky und der un- garischen Zeitungen, wegen meiner correspondenz unter fremdem nahmen die nöthige einleitung getroffen etc. etc. es wäre also Alles reif, was von mir aus geschehen kann. Auch meine Privatgeschäfte, welche übrigens nament- lich in görz einen verzweifelten schneckengang gehen, sind wenigstens für die nächste Zeit in gang gebracht. Auch habe ich wegen der ständischen Akten der verschiedenen Provinzen das nöthige veranstaltet und hoffe, bey meiner rückkehr ziemlich vieles vorzufinden. Wir hatten gegen die mitte dieses monats sehr starken schnee, so daß alle communicationen etc. durch Wochen gehemmt waren, dazu eine ent- setzliche kälte, hier in der stadt 12° r., in der Weihnachtswoche aber trat ein starkes thauwetter ein, und jetzt haben wir kalt aber schön. im ganzen scheint es ein strenger Winter werden zu wollen, und das elend der untern klassen ist ohnehin durch theuerung und mißwachs groß genug, auch liest man allenthalben von maßregeln der regierungen zur linderung dieser noth, namentlich gefiel mir eine verordnung im großherzogtum hessen, wonach die Bildung kleiner Arbeiterkompagnien veranlaßt wird, mit denen die regierung sodann wegen übernahme der öffentlichen Arbeiten paktiren will, also organisation der Arbeit in einem gewissen sinne. fouriers garan- tisme. evviva. die krakauergeschichte hallt noch immer nach und wird jetzt, da die französischen kammern zusammentreten, neuen lärm machen, die franzö- sischen Blätter hetzen indessen immerfort die kleinen souverains, freyen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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