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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 648 -
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Tagebücher648 städte etc. gegen die 3 großmächte auf, indem sie behaupten, die Wienerver- träge seyen nun zerrissen und das faustrecht proklamirt, in münchen treibt ludwig der gerechte als verliebter sechziger dummheiten und infamieen wegen der Bordellhure lola montez, jagt den Polizeydirektor Baron Pech- mann weg, weil er ihr wegen einer Prügeley eine vorladung geschickt etc. etc., aber Alles von gottes gnaden.1 ich bin jetzt ganz russe, d.h. in der Adoration der schönen und liebens- würdigen hofdamen der großfürstinn hélène, deren Bekanntschaft ich erst seit kurzem durch gabrielle gemacht habe, es sind besonders drey, gérèb- tzoff, seddler und knobelsdorf, welche mir meinen von der Politik gelang- weilten kopf verdrehen. sonst gehe ich noch wenig in salons. victor Zichy hat sich vorgestern bey oedenburg durch einen sturz aus dem Wagen erschlagen, daher casa metternich wieder gesperrt ist.2 münchen 15. Jänner 1847 seit dem 10. dieses monats bin ich hier. die letzten tage in Wien waren noch ziemlich bewegt, aber bin ich wegen campe noch in derselben fatalen unge- wißheit wie früher. es ist ganz neuerlich sein ganzer verlag in oesterreich verbothen worden wegen der letzten beyden schriften schuselkas (abermals eine jener unwürdigen Willkürmaßregeln metternichs), doch hoffe ich, daß dieß auf campe keine weitere Wirkung haben wird, als eine andere firma aufs titelblatt drucken zu lassen.3 ich habe ihm nun von hier aus (wo ich der Post vertrauen kann) geschrieben, um ihm die möglichste eile zu empfehlen, damit der gegenwärtige so eminent günstige Augenblick nicht verloren gehe. erzherzogin hildegarde ist am 3. mit einem sohne entbunden worden, und die beyden hofdamen müssen abwechselnd die nacht an ihrem Bette wa- chen, daher sah ich gabrielle in diesen letzten tagen nur wenig. von mei- nen schönen russinnen nahm ich zärtlichen Abschied, ebenso von fürstinn christiane [colloredo], sah wenige stunden vor meiner Abreise noch die eben von malaczka angekommenen Waldsteins etc. Auch fand ich gegen alles erwarten in dem eben zur ungarischen hofkanzley gekommenen heinrich 1 nachdem der münchner Polizeidirektor frh. Johann v. Pechmann nach einer persönlichen Beleidigung durch lola montez, der geliebten des königs, die Angelegenheit dem münche- ner stadt- und kreisgericht übergeben hatte, wurde er im dezember 1846 als landrichter nach landshut versetzt. vgl. zu dieser Affäre karl Alexander v. müller, lola montez und ein Münchner Polizeidirektor; in ders., Am Rande der Geschichte (München 1957) 89–116. 2 Der am 29.12.1846 gestorbene Graf Victor Zichy war ein Bruder von Gräfin Melanie Zichy, der gattin des staatskanzlers fürst metternich. 3 Julius campe benutzte nach dem verbot – unter verwendung des geburtsnamens seiner gattin louise – den verlagsnamen „ludwig giese“, unter dem auch der zweite teil von oesterreich und dessen Zukunft erschien.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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