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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 655 -
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6552. Februar 1847 er, sondern cotta und seine kaufmännische speculation hierin die oberhand hat. übrigens ist kolb wie sonst voll süd- und norddeutschland, daher oe- sterreich (als volk) grundsätzlich freund. mit meinen speziellen Auf- und Anträgen so wie mit der erwähnung mei- ner gegenwärtigen Publikation rückte ich erst tags darauf, wo ich vormit- tags eine lange unterredung mit ihm hatte, heraus. er hatte mich selbst um Beyträge für sein Blatt ersucht, und so erzählte ich ihm denn, wie unsere landstände es eingesehen hätten, daß sie vor Allem der öffentlichkeit be- dürfen, um einen halt an der öffentlichen meinung zu gewinnen, daß meiner meinung nach oesterreichs heil in ihnen liege, daß sie mich zum Zentral- punkte, zum Wortführer ihrer Bestrebungen, ihrer Partey erkoren hätten, daß ich entschlossen sey, mich von nun an ganz der Publicistik zu widmen, und daß, falls sein Blatt mir die nöthigen garantien des muthes und der selbstständigkeit darzubieten vermöchte, ich es jedem andern Blatte vor- ziehen würde. kolb nahm diese Äußerungen mit großer freude auf, das sey schon längst sein Wunsch gewesen, nur das Persönliche und gar zu weit ge- hende, welches beydes von mir ohnehin nicht zu befürchten sey, könnte er nicht aufnehmen, in Allem Andern wolle er meine Wünsche erfüllen, auch möchte ich in handelspolitischer Beziehung manchmal etwas einsenden. den honorarpunkt berührte er zuerst und meinte, ich sollte erst einige Ar- tikel bringen und dann meine Bedingungen stellen, welche cotta gewiß auf das Allerliberalste erfüllen werde.1 ich versprach ihm meine neueste schrift, welche mein Programm sey, zu übersenden, auch brachte ich ihm die beyden Allerhöchsten entschließungen wegen der robothablösung in galizien und den übrigen Provinzen, welche auch schon seitdem per extensum in der All- gemeinen Zeitung erschienen sind.2 Alles dieses wurde zwischen uns im laufe des 27. (mittwoch) beredet, den wir größtentheils zusammen zubrachten, wir aßen beyde bey Binzer zu sechs, d.i. die beyden sehr hübschen und sehr liebenswürdigen töchter vom hause. Abends um 6 uhr erst verließ ich kolb, um in den Wagen zu steigen. An demselben tage erhielt ich per Post das erste exemplar meiner schrift, ich habe es seitdem durchgesehen und heute das druckfehlerver- zeichniß (welches ziemlich bedeutend ist und leider mitunter sinnstörend) an campe für eine etwaige 2. Auflage abgeschickt. 1 Als ergebnis dieser Zusammenarbeit veröffentlichte Andrian von ende Jänner 1847 bis ende April 1848 insgesamt 29 Artikel in der Allgemeinen Zeitung. 2 Allgemeine Zeitung v. 30.1.1847, Beilage 236f.: österreichische monarchie. mitteilung des kürzlich an alle länderstellen der österreichischen erblande ergangenen circularschrei- bens in Betreff der Ablösung von Zehnten und Frohnden; und v. 1.2.1847, Beilage 252–253: österreichische monarchie. mitteilung des kaiserlichen handbillets an den grafen stadion über die vorläufige Roboterleichterung in Galizien.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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