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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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66123. Februar 1847 den. doch war dieß glücklicherweise nicht der fall. eduard entschloß sich nach manchen hin und Wieder und trotz der intriguen lenchens (welche übrigens mit dem Ansbacher lion fedor crailsheim etwas stark en coquet- terie ist) dann doch mich zu begleiten, wir warteten also am 18., donnerstag, von 4 nachmittag bis 1/2 11 Abends auf den eilwagen, nahmen einen 3ma- ligen zärtlichen Abschied, ich mit der überzeugung, onkel ferdinand nicht mehr zu sehen, denn so gerne ich ihn habe, komme ich doch wahrhaftig nicht mehr nach Ansbach zurück, und fuhren ab. um 5 uhr früh waren wir in nürnberg, schliefen noch einige stunden in der blauen glocke und gingen dann einige commissionen besorgen, ich machte mehrere Ankäufe in der fleischmann’schen cartonpierrefabrik. dann aßen wir zuhause bey der table d’hôte mit Anton, welcher hier en gar- nison ist, und fuhren um 4 immer beym schönsten Wetter per eisenbahn über erlangen nach Bamberg, wo wir um 6 ankamen und im deutschen hause abstiegen. diese eisenbahn ist mit einem wahrhaft überraschenden luxus gebaut, namentlich die Bahnhöfe, stationshäuser etc. alles im schön- sten gothischen style. Wir gingen zu gustav lerchenfeld, er war nicht zu hause, von da zu Au- guste lerchenfeld, welche Befehl gegeben hatte, falls wir kämen, sie aus ei- ner soirée bey Busecks abholen zu lassen, was dann auch geschah. Wir pas- sirten da einen der vergnügtesten Abende, dessen ich mich seit langer Zeit erinnere. überhaupt werde ich mich lange und mit dem lebhaftesten vergnügen der, leider so kurzen, Zeit erinnern, die ich in Bamberg zubrachte. Auguste, meine alte flamme, schön und liebenswürdig wie sonst, die beyden mäd- chen voll der feinsten Bildung und des besten tones, gustav einer der inter- essantesten menschen, die mir noch vorgekommen, und sie Alle von einer herzlichkeit gegen mich, wie es der eigene Bruder nicht besser hätte finden können. Auch waren wir die ganze Zeit von frühmorgens bis spät am Abende beysammen, machten Promenaden, sahen die domkirche an, aßen am 1. tage bey gustav, am 2. bey Auguste. eduard verließ uns am sonntag 11 uhr vormittag, um nach Ansbach zurückzukehren. die superbe domkirche enthält sehr merkwürdige Alterthümer, beson- ders das grab kaiser heinrichs ii. als stifters der kirche. nicht leicht hat mich eine Bekanntschaft so erfreut als die gustav ler- chenfelds. es herrscht eine merkwürdige übereinstimmung zwischen uns in den meisten unserer Ansichten, die Ausnahmen abgerechnet, welche ich meinem großen fourier verdanke. dagegen hat er, was mir abgeht, die prak- tisch konstitutionelle erfahrung und die ruhe, welche ich mir erst erwer- ben muß, freylich ist er beynahe um 10 Jahre älter als ich. Wir sind gleich ein herz und eine seele geworden und haben, leider nur zu kurz, vieles
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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