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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher662 Wichtige und folgenreiche besprochen. er hat mir den Prospectus der neuen deutschen Zeitung gegeben, welche mittermaier, gervinus und mathy in heidelberg zu gründen beabsichtigen, und die kommitteemitglieder wie er selbst, dahlmann, schlosser, gagern, Wessenberg etc. besitzt, und mich auf- gefordert ihnen beyzutreten, was ich mit freuden gethan habe, denn Publi- cität und ein geachtetes organ, das ist ja Alles, was wir wollen. er hat mir auch einen andern Plan mitgetheilt, worin wir uns gegenseitig unterstützen wollen: zur herausgabe der alten ständischen handfesten und rechte im mittelalter, um den aktenmäßigen Beweis zu führen, wie alt das konstitu- tionelle Wesen in deutschland ist, und die hypokriten lobpreiser des mit- telalters und des historischen rechtes mit ihren eigenen Waffen zu schla- gen. ein dritter vorschlag, den er mir machte: die geschichte oesterreichs seit 30 Jahren zu schreiben, ein unternehmen, welches gleichmäßig in allen theilen deutschlands vorbereitet wird, um die übergriffe der regierungen in diesem Zeitraume zu schildern, fand weniger meinen Beyfall, obwohl ich mich darüber nicht aussprach. er gab mir zu meiner Belehrung eine große menge Akten vom letzten bayerischen landtage, dessen so höchst eminentes mitglied er war, mit. Auch den damen, welche überhaupt an allem interessanten interesse nehmen und nicht wie unsere stupiden Weiber bloß an lappalien, war meine neue richtung nicht fremd geblieben, und Auguste bath mich, ihr ein ex- emplar meiner beyden schriften zu übersenden, was ich von Wien aus thun werde. sonntag, den 21., nachdem ich noch bey Auguste gegessen hatte, schied ich mit schwerem herzen aus diesem schönen kreise. gustav begleitete mich zur Post, und unter vielen grüßen und mit dem versprechen bald wie- derzukommen fuhr ich gegen 4 uhr ab, ganz allein, welches bis Prag der fall blieb. der schlechten Wege kam ich erst gegen mitternacht nach Bay- reuth und fuhr gleich weiter. die fahrt über das fichtelgebirge, namentlich von gfrees bis thiersheim war höchst beschwerlich wegen des thauwetters, bald schlittenbahn, bald koth, bey gfrees mußte der Wagen durch Bauern aus den schneemassen herausgeschaufelt werden, und es ging auf schlitten weiter, später wollten wir Postcaleche haben, doch waren diese eingefroren, und so mußten wir auf schlitten durch koth und schotter forthumpeln etc. endlich um 4 uhr nachmittag kamen wir nach eger, wo zum glücke der Prager kourier eben abfahren wollte, ich daher noch mit konnte. der „k.k. kämmerer“ half mir über die Zollvisitation hinweg, welche mich sonst aufge- halten und es mir unmöglich gemacht hätte, noch mit diesem Wagen weiter zu reisen. von da an ging es wie spielend vorwärts: prächtige straßen, der schnee ausgeschaufelt, schnelle und pünktliche fahrt. vivat oesterreich. um 1/2 10 soupirte ich in carlsbad, war um 1/2 9 morgens in schlan, ärgerte
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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